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Diagonal
"Was mich anschaut": Zur Person Miriam Cahn
Ihre Bilder scheuen nicht den bösen Blick, nicht die Brutalität, nicht den Körper. Ihre Malerei - ob mit Ölfarben, Kreide, Pastell, Kohle oder Aquarell - rückt die Geister, die von Krieg, Flucht, Sexualität, Verletzung erzählen, farbgewaltig, figurativ und unbestechlich ins Zentrum.
29. Oktober 2026, 11:21
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Diagonal | 31 10 2026
Die Schweizer Künstlerin Miriam Cahn, 1949 in Basel geboren, malt verstörende, expressive Sujets. Mit dem künstlerischen Selbstverständnis jüngerer Generationen teilt sie die Befragung der Identität. Sie versteht sich als Feministin, als Jüdin, als politischer Mensch. Wer sie kennenlernt, trifft auf eine listige Person, von kerniger Gesundheit, mit feixenden Augen und manchmal rüdem Benehmen. Eine Frau, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt.
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Politisiert in der Frauenbewegung der Siebziger Jahre, machte die heute vielfach ausgezeichnete, international renommierte Künstlerin, erst mit Mitte 40 Malerei zu ihrem wichtigsten Medium. Heute lebt Miram Cahn unweit von St. Moritz, in Stampa, in einem fast fensterlosen Gebäude, einer Raumschachtel aus Beton, schlicht, funktional und ohne Dekor, entworfen von dem Schweizer Architekten Armando Ruinelli. Cahn sucht weder urbane Dynamik und Energie noch Romantik und Ruhe der Natur, sie sucht das Rohe, Karge, Klare, Raue. Ihr Haus steht an der Durchzugsstraße, im Winter gibt es hier kaum Sonne. Im Gegensatz zum Bergdorf Soglio auf der sonnenverwöhnten Seite. Miriam Cahn ist oft da rauf gegangen, die Bewegung in der Landschaft, der Körper im Raum, das beschäftigt sie.
Die 77-jährige Künstlerin von Weltrang besuchen wir in ihrem kargen Atelierhaus im Schweizer Bergell, um mit ihr über ihre Fleischeslust und die Affinität zu Plastik und Beton zu sprechen, über ihr Aufwachsen in einem künstlerisch-akademischen Haushalt, über Antisemitismus im Kulturbetrieb und ihr Selbstverständnis als Jüdin. Die markerschütternde Radikalität ihrer Kunstwerke, die kämpferische Vehemenz ihres Auftretens gegen Machismo und die männliche Dominanz im Kunstbetrieb, die rücksichtslose Wucht im Benennen von Missständen in der Gesellschaft, das scheint sie hinter sich gelassen zu haben. Sie habe keine Lust mehr, brutale Bilder zu malen, will nicht mehr das Bild der Kämpferin erfüllen, verrät Miriam Cahn.
Das Atelierhaus von Miriam Cahn.
ORF
Gestaltung: Nicole Dietrich, Anna Soucek
