Ö1 Hörspiel
"Dazwischen" - Kurzhörspiele von Studierenden des Max Reinhardt Seminars
"Wo immer Menschen zusammenkommen, schiebt sich die Welt zwischen sie, und im Zwischenraum, den sie bildet, zeigt sich, daß sie die Menschen ebensosehr miteinander verbindet wie sie voneinander trennt.", schrieb Hannah Arendt. Zwischen zwei Menschen kann ein ganzes Universum liegen. Zwischen einem Gedanken und einem ausgesprochenen Wort liegt manchmal ein Moment, der alles verändert.
31. Oktober 2026, 14:00
Das Hörspiel "Dazwischen" versammelt Kurzhörspiele, die sich auf ganz unterschiedliche Weise diesem Zwischenraum nähern. Die Studierenden des Max Reinhardt Seminars haben sich in Zusammenarbeit mit der Regisseurin und Lektorin Alice Elstner gefragt, wann und wo sie selbst das Dazwischen erlebt haben, und sie haben aus diesen Erfahrungen und Gedanken eigene Stücke entwickelt.
So erzählen die Hörstücke vom Wartezimmer, vom Fahren im Auto durch die Nacht und vom Warten auf einen Rückflug im Flughafenhotel - irgendwo zwischen Heimat und Fremde. Sie erzählen vom Zustand zwischen Wachsein und Schlaf, von Übergängen zwischen Leben und Tod, vom Moment vor einer Handlung, von der Unentschiedenheit zwischen dem organisierten erwachsenen Ich und einem chaotisch-kindlichen Selbst und von einem Zustand, in dem sich die Wahrnehmung verschiebt und die Wirklichkeit ihre Gewissheit verliert. Was geschehen ist, bleibt nur bruchstückhaft zugänglich, irgendwo zwischen Bewusstsein, Erinnerung und dem, was sich nicht erinnern lässt.
So unterschiedlich die Geschichten und Perspektiven sind, verbindet sie eine gemeinsame Frage: Was liegt eigentlich dazwischen? Denn das Dazwischen ist nicht greifbar. Es verweist immer auf etwas anderes als sich selbst und vielleicht sind wir gerade deshalb ständig darin: zwischen Menschen oder Orten, zwischen Entscheidungen, zwischen dem, was war, und dem, was kommt, zwischen dem Gesagten und dem Ungesagten.
Die Hörstücke laden dazu ein, genauer hinzuhören: auf die Pausen zwischen den Worten, auf die Verschiebungen und Brüche, auf das, was sich einer eindeutigen Antwort entzieht. Denn manchmal liegt das Entscheidende weder hier noch dort, sondern eben genau dazwischen oder um mit Hannah Arendt zu sprechen: "Aber dies Zwischen ist in seiner Ungreifbarkeit nicht weniger wirklich als die Dingwelt unserer sichtbaren Umgebung. Wir nennen diese Wirklichkeit das Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten (...)."
"Dazwischen", von Studierenden des Max Reinhardt Seminars in Zusammenarbeit mit Alice Elstner. Mit Diyar Agit, Vincent Busche, Florian Klingler, Felix Künzli, Antonie Lawrenz, Jan-Henri Müller, Arshia Pakdel, Elena Pfeiler, Leonie Pum, Julian Rohrmoser und Klaudia Sobota, Tongestaltung: Elmar Peinelt, Regieassistenz: Marie-Louise Fürnsinn, Regie: Alice Elstner (ORF/ Max Reinhardt Seminar 2026)
Service
Hannah Arendt, "Was ist Politik? Fragmente aus dem Nachlass", hrsg. von Ursula Ludz, Piper Verlag 1993
Hannah Arendt, "Vita activa oder Vom tätigen Leben", Piper Verlag 2015
Jörg Sternagel, Eva Schürmann (Hg.), "Denken des Medialen. Zur Bedeutung des "Dazwischen"", transcript Verlag 2024
Sendereihe
Gestaltung
- Elisabeth Weilenmann
