"Peace Trail" - der unermüdliche Neil Young

71 Jahre alt, und nur ein klein wenig leiser. Neil Young bleibt sich auch auf seinem neuen Album "Peace Trail" treu, singt mit seiner luftig leichten Stimme politische Protestlieder, als wären sie auch im Jahr 2016 noch das Selbstverständlichste in der Musikwelt.

Neil Young

APA/DRAXLER HANNES

Morgenjournal, 7.12.2016

Der 1945 in Toronto geborene Künstler hat Liedklassiker wie "Heart of Gold", "Rockin in the Free World" oder "Out on the Weekend" geschrieben. In den letzten Jahren gab sich Young dabei politischer denn je, setzte sich kritisch mit der Irak-Politik der US-Regierung auseinander, oder sang wie 2015 auf dem Album "The Monsanto Years" gegen die Macht der Großkonzerne an. Am 9. Dezember erscheint "Peace Trail", sein 38. Studioalbum.

Er könne nicht aufhören zu arbeiten, singt Young auf "Peace Trail", das sei vielleicht schlecht für den Körper, aber gut für sie Seele. Und gefragt, warum er sich all die Termine immer noch antue, meinte er kürzlich: Weil er es liebe und weil er glaube, mit seiner Musik Aufmerksamkeit generieren, Botschaften hinaustragen zu können.

Leiser Protest als Weckruf

Der Inhalt, der zählt - und so präsentiert sich auch das neue Album. Die Musik ist hier vor allem Vehikel für die Texte. Reduziert eingespielt - mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, einer Mundharmonika die gelegentlich aufheult. Protestlieder, weniger anklagend, als sehnsüchtig.

Neil Young verpackt hier nicht nur ein pauschales Dagegensein in Songzeilen, sondern adressiert mit seinen Liedern unterstützend jene, die aufstehen - etwa gegen die Dakota-Access-Pipeline, die über indigene Stammesgebiete führen soll, und zu einer der größten Umweltprotestbewegungen der Nullerjahre in den USA geführt hat.

Young thematisiert Polizeigewalt, Islamophobie und auch die eigene Rolle, als politischer Liedermacher, wenn er von einem Scherbenhaufen singt, der zu groß sei, um ihn wegzuräumen, und er nur eine Warnbotschaft an die Tür kleben kann.

Laut gegen Trump

Dass Young auch noch anders kann, laut und weniger zurückhaltend, bewies der 71-Jährige heuer im Sommer, als er von Donald Trump forderte, sein "Rockin in the Free World" nicht mehr bei Wahlkampauftritten zu spielen. Trump bezeichnete Young daraufhin in Reden und Interviews als Heuchler - der Barde reagierte auf seine Weise: Er lud Trump ein, auch die Strophen nach dem Refrain zu lesen, in denen es nicht nur um Freiheit, sondern auch um eine multikulturelle Gesellschaft und Solidarität gehe.

Und die weißen Haare zum Pferdeschwanz gebunden, die Kotletten so lang wie in den 70er Jahren, schrie er bei einem Konzert ins Mikrophon: "Fuck You, Donald Trump". Neil Young, 71 Jahre alt, und nur ein klein wenig leiser.

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