Matt Day, Warwick Thornton, Bryan Brown und Sam Neill

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"Sweet Country" in Venedig

Das Genre des Westerns hat im Kino in den letzten Jahren eine Renaissaince erlebt. Von Neuverfilmungen von Klassikern wie "Die glorreichen Sieben" im Jahr 2016, bis hin zu heimischen Produktionen wie dem Alpenwestern "Das finstere Tal". Bei den 74. internationalen Filmfestspielen von Venedig, die am Samstag mit der Verleihung des Goldenen Löwen zu Ende gehen, ist gestern im Hauptwettbewerb ein australischer Westernfilm präsentiert worden: "Sweet Country".

Morgenjournal, 7.9.2017

Benno Feichter

Um die Zukunft gestalten zu können, müsse man die eigene Geschichte, die eigenen Wurzeln kennen. Meinte gestern der australische Regisseur Warwick Thornton in Bezug auf aktuelle Probleme der Ureinwohner Australiens. Und Thornton, selbst Teil der indigenen Bevölkerungsgruppe, tut dies mit einem Blick in die 1920er Jahre.

Australiens Ureinwohner

"Sweet Country" basiert auf der Familiengeschichte des Drehbuchautors. Im entlegenen Norden Australiens erschießt ein Ureinwohner in Notwehr einen Weißen, der zuvor seine Frau vergewaltigt hat. Er wird durch die imposante Landschaft gejagt, eine Wildnis in der er seinen Jägern lange Zeit überlegen ist. Dieser Film, so Warwick Thornton, reflektiere den Ursprung vieler nach wie vor aktueller Probleme.

Warwick Thornton

TIZIANA FABI / AFP

Der australische Regisseur Warwick Thornton

"Die Ausbeutung der Ureinwohner als billige Arbeitskräfte wurzle im Kolonialdenken. Gentrifizierung und Rassismus. Die über Generationen fortgeführte Unterdrückung und Vernachlässigung", so Regisseur Warwick Thornton.

Indigenen Erzählkultur

"Sweet Country" ist ein Film mit feinen Schattierungen, der diese Themen ohne Moralkeule verhandelt. Thornton bricht seinen großen Handlungsbogen dabei immer wieder auf, nimmt in einzelnen Bildern das Schicksal der Figuren vorweg. Er sehe sich als Filmemacher in der Tradition der indigenen Erzählkultur. Und in dieser werde die Gegenwart über die Vergangenheit und die Zukunft erzählt.

Gefragt nach Vorbildern im Westerngenre überraschte Warwick dann. Nicht etwa Sergio Leone, sondern Bud Spencer und Terence Hill seien seine wichtigsten Inspirationsquellen gewesen.

Penelope Cruz und Javier Bardem "Loving Pablo"

Für eine Kontroverse sorgte gestern am Lido dann die außer Konkurrenz vorgestellte Produktion "Loving Pablo" über den kolumbianischen Kartellboss Pablo Escobar mit Javier Bardem und Penelope Cruz in den Hauptrollen. Obwohl großteils mit Stars des spanischsprachigen Kinos besetzt, sprechen die Schauspieler im Film hauptsächlich Englisch, mit spanischem Akzent.

Escobar-Darsteller und Produzent Javier Bardem rechtfertigte das mit der Nachfrage des Marktes: Dieser Film sollte möglichst viele Menschen erreichen, zudem sei es schwierig einen spanischsprachigen Film mit internationaler Besetzung zu finanzieren.

von

"Loving Pablo" konnte in Venedig weder künstlerisch noch inhaltlich überzeugen. Denn der Fülle an Kino- und Serienproduktionen über Escobar, die in den letzten Jahren erschienen sind, kann dieser Film kaum neue Aspekte hinzufügen - wirkt teils wie ein zweistündiger Trailer zur TV-Serie.

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