Büste zeigt Voltaire

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Anmerkungen von der anderen Seite des Kanals

Voltaires "Lettres philosophique" in einer Prosa-Ausgabe von "Du holde Kunst".

Vor bald dreihundert Jahren entstanden, gehören Voltaires "Briefe aus England" zu jenen Schriften, die die Französische Revolution mit ausgelöst haben. Voltaire schrieb sie im englischen Exil, in das er nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einem Chevalier und dessen Dienern geflohen war. Von dort aus warf er einen kritischen Blick auf sein Vaterland und stellte fest, dass die Insel in vielen Bereichen fortschrittlicher als Frankreich war.

"Vieh, das man mit dem Land kauft"

"Der größte Teil der Menschen in Europa war … eine Art Vieh, das man mit dem Land kauft und verkauft. Es brauchte Jahrhunderte, um der Menschheit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und zu merken, dass es schlecht ist, wenn der Großteil sät und die Minderheit erntet …" (Neunter Brief: Vom Regieren)

Als einer der scharfsinnigsten "Lumières", wie die Aufklärer in Frankreich genannt werden, analysiert Voltaire den Aufstieg des englischen Bürgertums und dessen schrittweise Befreiung aus feudalen Strukturen, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Freiheit und die Freiheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg sowie die bildende Wirkung politischer Partizipation.

Bedarf an Bildung

"In London gibt es ungefähr 800 Personen, die öffentlich reden und die Interessen des Volks vertreten dürfen; an die fünf- oder sechstausend beanspruchen ihrerseits dieselbe Ehre; der gesamte Rest erhebt sich über sie als Richter, und jeder kann drucken lassen, was er über die öffentlichen Angelegenheiten denkt. So besteht für das ganze Volk ein Bedarf an Bildung." (Neunter Brief: Vom Regieren)

Zu hören sind Auszüge aus dem neunten, zehnten und zwanzigsten Brief. Lesen wird sie Nestroypreisträger Till Firit. Die Musik dazu stammt von Luigi Boccherini, Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn und Antonio Vivaldi.

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