Mildred Hayes (Frances McDormand) vor ihren Werbetafeln

TWENTIETH CENTURY FOX

"Three Billboards" - Provinzsatire als Oscar-Kandidat

Rassismus, Polizeigewalt und Trauer - rund um diese Themen kreist die US-amerikanische Provinzsatire "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Der Film des irischen Dramatikers und Filmregisseurs Martin McDonagh wurde zuletzt mit vier Golden Globes ausgezeichnet.

Mittagsjournal | 23 01 2018

Benno Feichter

Trauer als Handlungsmotor

"Gestorben während sie vergewaltigt wurde", steht auf der ersten - mehrere Meter hohen Werbetafel außerhalb von Ebbing, Missouri. "Noch immer keine Verhaftung" auf der Zweiten und eine Frage, direkt an den örtlichen Polizeichef gerichtet auf der dritten Werbetafel: "Wie kommt das, Chief Willoughby?". Mit dieser Plakataktion will Mildred Hayes Bewegung in die bisher ergebnislosen Ermittlungen rund um die Ermordung ihrer Tochter bringen.

In einer der ersten Szenen des Films hilft Mildred einem auf dem Rücken liegenden Käfer wieder auf die Beine. Und sie würde sich wohl wünschen, dass jemand mit ihr selbiges macht. Sie ist gezeichnet von Wut und Hilflosigkeit - der Trauer um ihre Tochter, die das zentrale Motiv dieses Films ist.

Zwischen Tragik und pechschwarzem Humor

Diesen tragischen Ausgangspunkt der Handlung nie aus den Augen zu verlieren, sei auch die große Herausforderung während des Drehs gewesen, so Regisseur Martin McDonagh: "Wir haben ganz genau gewusst, wo im Drehbuch der Humor durchkommt. Aber umso wichtiger war es, die innere Motivation der Hauptfigur, die Trauer um ihre Tochter, die nachdenklicheren Passagen, nie aus den Augen zu verlieren." Es ist dann die Balance zwischen nachdenklichem Tonfall und pechschwarzem Humor - vielleicht mit der ein oder anderen Pointe zu viel -, die dieses Kleinstadtporträt prägt.

Gewaltexzesse zur Frust Bewältigung

Ein Kriminalfall erzählt als Rachegeschichte mit Mariachimusik und Westernästhetik. Figuren, die sich zwischen Rassismus und Gewalt in ihrer Ehre gekränkt fühlen, obwohl es die nicht gibt; und denen McDonagh dann doch - im Glauben an das Gute im Menschen - die Chance gibt, sich ihre Würde zurückzuerkämpfen. Und wenn die Dialoge nicht mehr hart genug treffen, werden Fingernägel durchbohrt, fliegen Fäuste und Molotowcocktails. Gewalt als letzte Eskalationsstufe in der Frustbewältigung.

Preisregen von Venedig bis Los Angeles

Bei der Weltpremiere im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig wurde Martin McDonagh bereits mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet. Zuletzt folgten unter anderem vier Golden Globes: Der Film wurde als bestes Drama und für das beste Drehbuch ausgezeichnet sowie mit zwei Darstellerpreisen für Frances McDormand und Sam Rockwell, die hier an der Seite von Woody Harrelson und "Game of thrones"-Star Peter Dinklage zu sehen sind.

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" zählt mit sieben Nominierungen zu den Favoriten bei den heurigen Oscars: u.a. in den Kategorien "Bester Film", Frances McDormand als "Beste Hauptdarstellerin", Woody Harrelson und Sam Rockwell als "Bester Nebendarsteller". Regisseur McDonagh muss bei der Vergabe zusehen. Mit 13 Nominierungen ist "The Shape of Water" von Fantasy-Großmeister Guillermo del Toro der große Oscar-Favorit.

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Fox Film - Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Trailer deutsch)

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