Porträt von Georg Spatt

APA/HERBERT PFARRHOFER

Pop, Comedy, Werbung – und eine Mission

Ein breit aufgestellter Sender mit Pop-Musik, Unterhaltung, Werbung – und einem öffentlich-rechtlichen Auftrag. Für Ö3-Chef Georg Spatt ist das alles kein Widerspruch. Im #doublecheck-Interview mit Stefan Kappacher spricht Spatt über Unterschiede zwischen Ö3 und KroneHit, das Verhältnis seines Senders zu Musik aus Österreich und über den Audio-Boom auf dem Medienmarkt.

"Das Leben ist ein Hit" – so lautet das Sendermotto von Hitradio Ö3, dem mit Abstand stärksten Hörfunkprogramm des ORF mit einer Reichweite von 33 Prozent. Mit Sendungen wie dem "Ö3-Wecker", "Frag das ganze Land" und "Frühstück bei mir" ist Ö3 der meistgehörte Radiosender Österreichs, steht gerade deshalb aber auch immer wieder unter Kritik. Der Sender unterscheide sich zu wenig von privaten Anbietern, die Musikauswahl und die Ausrichtung seien zu kommerziell, es gebe zu viel Werbung und zu wenig österreichischen Inhalt.

Georg Spatt, seit 2002 Senderchef, sieht das anders. Ö3 hebe sich in vielen Punkten massiv von den Privaten ab, sagt Spatt und verweist auf den Informationsbereich. "Wir haben für einen Sender, wie es Ö3 ist – also ein Sender, der versucht, seine Hörer tagesbegleitend zu erreichen – sehr, sehr ausführliche Nachrichten." Genauso wie der ORF-Teletext ist die Ö3-Nachrichtenredaktion rund um die Uhr besetzt, Nachrichten gibt es untertags zweimal pro Stunde.

Ö3-Chef Georg Spatt spricht im Interview mit Stefan Kappacher über den öffentlich-rechtlichen Auftrag bei Ö3, Teil 1

Das stärkste Informations-Medium

Ö3 als wichtiges Informationsmedium – dafür wird der Sender vom Publikum geschätzt. Diese Nachrichten-Kompetenz, die sich aus den Ressourcen der ORF-Radioinformation speist, dringt aber nicht überall durch, weiß Spatt: "Im Vergleich etwa zu Ö1 ist Ö3 in den sogenannten politischen Zirkeln der Sektionschefs, der politischen Berater, der Spin-Doktoren, der Kabinettsmitarbeiter nicht ganz so weit vorne. Es ist also nicht dieses Opinion-Leader-Medium, wie es zum Beispiel Ö1 mit den Journalen ist."

"Die Gesellschaft besser machen"

Noch etwas unterscheide Ö3 von beispielsweise KroneHit, dem erfolgreichsten und einzigen bundesweiten Privatradio. Bei Ö3 spricht man gerne von der Sender-DNA, die das Programm besonders mache: "Es ist für uns ein Auftrag, Menschen zu informieren, sie zu begleiten, uns mit ihnen über Dinge zu unterhalten, die in dieser Form kein marktrelevanter Inhalt wären." Besonders stark komme der öffentlich-rechtliche Auftrag bei Ö3 durch viele soziale Aktionen zum Ausdruck - sei es die Ö3-Wundertüte, mit der alte Handys zur Wiederverwertung für Benefiz-Zwecke gesammelt werden, oder das Team Österreich, einem Projekt gemeinsam mit dem Roten Kreuz, das etwa bei Naturkatastrophen bis zu 50.000 freiwillige Helfer mobilisieren kann. "Es gibt eine Vielzahl an identitätsstiftenden Maßnahmen, die Ö3 seit jeher betreibt - wo wir gemeinsam mit unseren Hörerinnen und Hörern versuchen, auch wenn das hochtrabend klingt, die Gesellschaft ein bisschen besser zu machen“, sagt Spatt.

Georg Spatt über die "Sender-DNA", Teil 2

Public Value braucht Reichweite

Für einen öffentlich-rechtlichen Sender sei es wichtig, von vielen Menschen gehört zu werden. "Wir finden offensichtlich seit vielen Jahren eine Sprache, einen Themenmix und eine Zusammensetzung des Programms, wo man sagt: Ö3 gehört zu diesem Land dazu, das ist eine Institution." Deshalb sei Ö3 auch kein Zielgruppen-Medium, man wende sich an die breite Bevölkerung.

Ö3-Chef Spatt spricht über Ausrichtung des Senders, Teil 3

Sehr eng mit Österreichs Musikszene

An den Geschmack der breiten Masse richtet sich auch die Musikauswahl. Für manche Kritiker sind österreichische Musikerinnen und Musiker aber zu schwach vertreten. Spatt gibt dieser Kritik aber nur rückblickend Recht: Schon 2015 hat sich der Sender mit österreichischen Musikschaffenden auf eine freiwillige Quote von 15 Prozent geeinigt. "Das heißt, wir spielen pro Stunde zwei österreichische Produktionen. Das zeigt, dass uns Kritikerinnen und Kritiker in den vergangenen Jahren zu Recht gemahnt haben."

Spatt zum Verhältnis von Ö3 zur österreichischen Musikszene, Teil 4

Aktuell ist seit Ende März mit "Treffpunkt Österreich" eine neue österreichische Musiksendung on Air. Einmal in der Woche werden dort Bands aus Österreich vorgestellt, und davon gibt es derzeit viele. Der Ö3-Chef betont, dass man auch ein Eigeninteresse an der Förderung österreichischer Musik habe. Mit Künstlern, die in Österreich leben und arbeiten, könne man gutes und vielfältiges Programm machen. Die Bedingungen dafür seien manchmal besser, manchmal schlechter, sagt Spatt. Derzeit profitiere Ö3 von der lebendigen und erfolgreichen Musikszene des Landes. "Wir können nur mit Dingen arbeiten, die vorhanden sind. Das läuft zur Zeit sehr gut."

Podcasts machen Radio wieder sexy

Erfolgreiche Privatsender, neue Trends und technische Entwicklungen wie Alexa, der intelligente Sprachassistent von Amazon, beleben den Radiomarkt, glaubt Spatt: "Je stärker das Radio insgesamt performt, desto besser ist das für uns alle." Der Boom würde das "Audio-Medium Radio sexy machen". Um bei den Innovationen und Trends auch mitmachen zu können, bräuchte Ö3 aber mehr Freiheiten vom Gesetzgeber, etwa für mehr Videos. Schließlich hören immer mehr Menschen Radio über ihr Smartphone. "Ob Bewegtbild, Inserts oder Grafiken – das ließe sich gut machen." Nachsatz: "Das würde mir gestalterisch, journalistisch Freude machen. Halte ich es für besonders wichtig? Ich weiß es nicht."

Georg Spatt im Interview über Trends am Radiomarkt, Teil 5

Neuen Spielraum für Innovationen

Spatt würde es auch begrüßen, wenn Ö3 eigenständige Podcasts anbieten könnte. Das sollte vom Gesetz her nicht nur sendungsbegleitend wie bisher, sondern auch als Ergänzung zum bestehenden Programm möglich sein: "Ich würde unseren Hörerinnen und Hörern gerne die Kompetenzen aus unseren Redaktionen anbieten mit zusätzlichen Produktionen. Das ist in der Form derzeit nicht möglich, das ist schade."

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