Globusverlag

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Globus Druckerei und Verlagsgebäude, Wien

Der Globus-Verlag, 1945 durch die Kommunistische Partei Österreichs gegründet, benötigte 1953 ein eigenes Druckerei- und Verwaltungsgebäude.

Aufstieg & Fall einer kommunistischen Institution

Sonja Bettel

Vier der KPÖ nahe stehende Architekten wurden in mehrere Länder entsandt, um Druckereien zu besichtigen. Aus diesen Eindrücken wurde ein gemeinsames Projekt aus vier Gebäuden entwickelt, die architektonisch klar voneinander getrennt waren.

Wilhelm Schütte plante den achtstöckigen Verwaltungsbau am Höchstädtplatz, Fritz Weber das Druckereigebäude mit dem bogenförmigen Shed-Dach, Karl Franz Eder den dreistöckigen Trakt für die Zeitungsrotation. Margarete Schütte-Lihotzky plante den vierstöckigen Personaltrakt in der Meldemannstraße inklusive eines großzügigen Festsaals, der über zwei Stockwerke reichte.

Modellansicht

BILDARCHIV DER KPÖ

Zur Fertigstellung 1956 waren der Bau und die Ausstattung des Globus-Verlags auf dem neuesten Stand der Technik und wiesen zahlreiche Innovationen auf, wie zum Beispiel eine Deckenstrahlheizung. Das Verlagsgebäude wirkte beeindruckend und sollte die Bedeutung der Kommunistischen Partei, die 1945 in der provisorischen Regierung vertreten war und in der ersten regulären Regierung bis 1947 einen Minister stellte, manifestieren.

  • Fensterfron des Gebäudes

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  • Eingangsbereich

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  • Gebäudefronten

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  • Blick durch Bäume auf das Gebäude, Straßenverkehr

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  • Technikum Wien, dahinter das Globusverlagsgebäude

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Besichtigung (vermutlich vor der Eröffnung), links im Bild: Architektin Margarete Schütte-Lihotzky

BILDARCHIV DER KPÖ

Besichtigung (vermutlich vor der Eröffnung), links im Bild: Architektin Margarete Schütte-Lihotzky

Mit dem Staatsvertrag und dem Abzug der Russen aus Österreich war die Bedeutung der KPÖ jedoch rasch geschrumpft – und das Globus-Gebäude von Anfang an zu groß. Deshalb wurden dort auch andere KPÖ-Betriebe und Institutionen angesiedelt. Die Druckerei produzierte die "Volksstimme", die Bezirkszeitungen, zahlreiche KPÖ-Magazine und Bücher. Und sie hatte zu Beginn viele Aufträge aus den sozialistischen Ländern.

Der westliche Markt wurde vernachlässigt, was mit dem Zerfall der Sowjetunion und den Revolutionen in Osteuropa 1989/90 sehr rasch zum Niedergang des Globus-Verlags führte. Die Büros wurden vermietet, in die Halle zog ein Baumarkt ein. Beim Umbau des Bürotrakts Anfang der 1990er Jahre wurden die ziegelrote Keramikumrahmung der Fenster, die farblich mit dem Schütte-Lihotzky-Trakt harmonierte, grau überdeckt und vor dem niedrigeren Trakt ein Fluchtstiegenhaus angebaut.

Sitzungssaal

Der große Festsaal, entworfen von Margarete Schütte-Lihotzky

BILDARCHIV DER KPÖ

Shed-Dach

BILDARCHIV DER KPÖ

Shed-Dach

Für den großen Festsaal fand sich keine Verwendung, weshalb 1997 eine Zwischendecke eingezogen wurde – mit Zustimmung der hochbetagten Architektin Margarete Schütte-Lihotzky. Seit dem Bau der FH Technikum, die den Höchstädtplatz überspannt, und des 26-stöckigen Wohnturms gegenüber, wirkt das Globus-Gebäude längst nicht mehr so monumental wie in den 1950er Jahren.

2017 wurde der Komplex von der Firma Wohnkompanie gekauft. Der Verwaltungsbau und der Schütte-Lihotzky-Trakt stehen seit 2018 unter Denkmalschutz. Der Rest soll abgerissen werden und in Kombination von Alt- und Neubauten ein neues Wohnquartier mit Handelsflächen entstehen.

Gestaltung

  • Sonja Bettel

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