Zollamt Bad Radkersburg

APA/FRITZ GARTNER

Zollamt Bad Radkersburg, Steiermark

Das ehemalige Zollamt Bad Radkersburg befindet sich an der B69, der sogenannten "Südsteirischen Grenzstraße". Wenige Meter weiter bildet die Mur die Staatsgrenze zwischen Österreich und Slowenien.

Amt für offene Grenzen

Jakob Fessler

Bis 2007 wurde man hier von Grenzbeamten kontrolliert. Mit dem Schengenabkommen wurde das Zollamtsgebäude obsolet. So bot sich dem Künstler Joachim Baur die einmalige Möglichkeit, mithilfe des Grazer Sammlers Reinhard Diethardt, das ehemalige Zollamt zu ersteigern. Seit 2012 wird hier Kunst direkt an der Grenze und über das Thema Grenze gemacht und ausgestellt.

Die zwei Gebäude rechts und links der Straße dienten einst als Ein- und Ausreisegebäude. 1973 errichtet, wurden sie in den 90er-Jahren nach Plänen des Architekten Alfred Bramberger renoviert und modernisiert. Mit der Umwandlung von einem Zollamt zu einem Museums- und Ausstellungshaus wurde schließlich vieles umgestaltet. Wo einst Menschen auf die erlaubte Einreise warten mussten, wird heute Essen gekocht und ausgeteilt. Die schmale, dunkle Waffen- und Munitionskammer dient heute der Ausstellung von Kunstwerken. In der Garage ist die Untersuchungsgrube, wo verdächtige Fahrzeuge von unten inspiziert wurden, zur begehbaren Glasvitrine umfunktioniert worden. Von einem Gebäude der Kontrolle, des Misstrauens und der Angst, ist das Zollamt Bad Radkersburg zu einem Gebäude der Begegnung geworden.

Schon Mitte der 1980er Jahre lotete Joachim Baur künstlerisch Grenzen aus, unter anderem mit Aktionen im öffentlichen Raum. An der österreichisch-slowenischen Grenzstation am Radlpass gestaltete er 2006 das "Festival der Zivilisationsheroen" mit. Alljährliche Fixpunkte im Zollamt Bad Radkersburg, die begangen und gefeiert werden, sind am 24. November der "Tag der Weltzivilisation" sowie am 24. Mai das "Buchstabenfest". Kyrill und Method, den Begründer der slawischen Schrift, ist in der nahegelegenen Sicheldorfer Kapelle eine Wandmalerei gewidmet. Außerdem, so betonen Joachim Baur und seine Tochter Helene Bauer, waren es Buchstaben, die durch den Vertrag von Saint-Germain im Jahr 1919 die Mur zu einer Staatsgrenze machten. So wurden die zwei Ufer und Teile einer Stadt, heute Bad Radkersburg und Gornja Radgona, entzweit. Im Zweiten Weltkrieg wurde die verbindende Brücke über die Mur zudem zerstört und erst Ende der 1960er Jahre durch den damaligen österreichischen Bundespräsidenten Franz Jonas und den jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito wiedereröffnet.

Zollamt Bad Radkersburg

JOACHIM BAUR

Viele Anrainer auf beiden Seiten der Grenze sind heute froh, dass sie nicht mehr kontrolliert werden. Auch wenn gerade vier blaue Container vor dem alten Zollamt stehen und Grenzbeamten zeitweise wieder ihre Arbeit aufgenommen haben.

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