Grauer Hund mit weißen Flecken

Twentieth Century Fox

"Isle of Dogs" von Wes Anderson

"Isle of Dogs", die Insel der Hunde, so heißt der neue Film des US-amerikanischen Filmemachers Wes Anderson, und wenn man diesen englischen Titel ausspricht, dann hört sich das möglicherweise auch so an wie "I love dogs", also "Ich liebe Hunde".

Diese indirekte Liebeserklärung an die Vierbeiner ist kein Zufall, denn fünf Hunde nehmen in Andersons Film den Kampfgegen einen skrupellosen japanischen Politiker auf. Wes Anderson wurde für dieses Animationsabenteuer heuer bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet.

Mittagsjournal | 09 05 2018

Arnold Schnötzinger

Ausgerechnet auf eine Mülldeponie werden die Hunde der Metropole Megasaki gebracht. Für den Bürgermeister sind die Vierbeiner also Abfall. Es stimmt schon, viele sind mittlerweile krank, die Hundegrippe droht auf Menschen überzugreifen. Auch Spots, der Leibwächterhund des Buben Atari, ein Mündel des Bürgermeisters, endet auf der sogenannten "Isle of Dogs" vor Megasaki.

Universelles Sittenbild

Spots muss gefunden werden. Eine Bande von fünf Hunden und ein Zwölfjähriger gegen einen mächtigen Bürgermeister, David gegen Goliath also. Aus diesem Szenario macht Regisseur Wes Anderson in seinem Animationsfilm ein universelles Sittenbild, das seine Parallelen zur Gesellschaft der Menschen geradezu aufdrängt: Ausgrenzung, Flucht, Deportation, Isolation, Machtmissbrauch, aber auch Widerstand, Außenseitertum, Solidarität und Freundschaft.

"Oft habe ich während der Entstehung des Films, das Gefühl gehabt, den Geist der Zeit ziemlich genau zu treffen", so Regisseur Wes Anderson.

Von Hundehack bis Grüntee-Eis

Verteilungskämpfe unter struppigen Outlaws, also Ressourcenkämpfe, Basisdemokratie gegen diktatorisches Schalten und Walten, die Grundierung stets ernsthaft, doch im Vortrag gibt sich der Film skurril-ironisch, bei der Charakterbildung der ständig niesenden Hunde etwa.

Einer ist ein ehemaliger Werbestar, ein anderer Ex-Chefmaskottchen einer Baseball-Mannschaft, ein Showhund mit akrobatischen Fähigkeiten, und freilich, das Leiden am Abfallfutter verdoppelt sich, wenn man kulinarische Hundevorlieben kennt - von Hundehack mit Vitaminsträusel über Rib-Eye-Steak scharf angebraten bis hin zu Grüntee-Eis.

Huldigung an Japan

Wes Anderson siedelt seine Geschichte in Japan an, eine Huldigung an die japanische Kultur und Lebenskultur, ihre Rituale im Alltag inklusive Sashimi-Kochkurs und Taiko-Trommeln. Aber auch dem japanischen Kino, insbesondere Regisseur Akira Kurosawa, macht der Film seine Aufwartung.

Wes Anderson, der Pfadfinder unter den amerikanischen Regisseuren, findet auch in "Isle of Dogs" einen höchst kreativen Weg des Geschichtenerzählens, bei dem man auch gerne mal vergisst, in einem Animationsfilm zu sein. Da gibt’s aber gar nichts zu knurren oder bellen, sondern vor allem zu staunen.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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