Friederike Mayröcker

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Das unbestechliche Muster der Ekstase

Ein Text über Franz Schubert von Friederike Mayröcker als musikalisch-poetisches Hörstück inszeniert.

Dass sich die Möglichkeiten der Radiokunst noch nicht völlig erschöpft haben und es innerhalb des Hörspielgenres sehr wohl noch Spielraum zur Auslotung dessen Grenzen gibt, haben die österreichische Lyrikerin Friederike Mayröcker und der Musikexperte Otto Brusatti bereits bei ihrer letzten Zusammenarbeit unter Beweis gestellt: Das experimentelle Hörspiel "Oper!", eine Art musikalischer Streifzug durch die Gedankenwelt Mayröckers, wurde vom Ö1-Publikum zum Hörspiel des Jahres 2017 gekürt.

Lyrikerin in Schuberts Kosmos

Mit "Das unbestechliche Muster der Ekstase" folgt nun, nicht ganz ein Jahr später, das nächste Projekt, das dem vorherigen in puncto Experimentierfreudigkeit um nichts nachsteht. Otto Brusatti setzt auch diesmal auf den eigenwilligen Sprachduktus der Dichterin.

Im Sog des scheinbar Gleichlaufenden.

Otto Brusatti

Anders als bei "Oper!" ist es bei diesem Hörspiel jedoch nicht nur der Mayröcker’sche Mikrokosmos, in den man von diesem Sog hineingezogen wird. Mayröcker taucht hier selbst in das Innenleben jemand anderes ein, und zwar des Komponisten Franz Schuberts. Obwohl stets auf Freunde und biografische Eckdaten Schuberts referierend, maßt sich das "Ich" dieses prosaischen Lyriktexts oder lyrischen Prosatexts die Innenperspektive Schuberts zu keinem Zeitpunkt völlig an.

Eine gemeinsame Zwischenstimme

Immer wieder glaubt man neben einem Schubert-Ich auch ein Mayröcker-Ich vernehmen zu können, meistens aber lässt sich höchstens auf ein literarisches Zwischenwesen der beiden schließen - eine Zwischenstimme vielleicht. "Ist ja alles illusionistisch solche Biografie nachzuvollziehen", sagt Schubert, oder sagt Mayröcker gegen Ende des Texts und überführt damit die sich beharrlich aufdrängende Frage nach der Authentizität dieses "Ichs" schlussendlich ihrer Naivität.

Man muss sich in einen Musiksprachsog hineinbegeben trauen.

Dass es um die eindeutige Identifizierung dieses Ichs jedenfalls nicht geht, sondern das Besondere von Mayröckers "Negativ-Rap" gerade in der Unbestimmtheit desselben auszumachen ist, schafft Brusatti in seiner Version:

"Wir haben gesagt: Wir machen eine eigene riesige Klangspur, und Mayröcker ist sozusagen die 45. Stimme in 44 Schubertmusiken, die wir nicht nur gemixt, sondern umgestellt haben."

Otto Brusatti

Gestaltung

  • Kurt Reissnegger