Wolf Wondratschek

ORF/DOR FILM

Wolf Wondratschek ist wieder da

Kurz vor seinem 75. Geburtstag (14. August) meldet sich der deutsche Autor und Wahl-Wiener Wolf Wondratschek nach längerer Pause mit einem kräftigen Lebenszeichen zu Wort: Eine Gesamtausgabe seiner Werke startet mit einer Gedichtedition und mit dem neuen Roman "Selbstbild mit russischem Klavier", der morgen erscheint.

Morgenjournal | 09 08 2018

Kristina Pfoser

Box-Macho, Hurendichter, Rock-Poet und Rebell - das sind nur einige Attribute, die Wolf Wondratschek im Laufe seines Lebens zugeschrieben worden sind. Mit seinen Auftritten hatte er immer wieder das Image des Schwierigen bedient - aufbrausend und anmaßend. Heute sagt er dazu nur: "Ich würde wirklich nicht wieder mit diesem alten Salat anfangen."

Kulturjournal | 14 08 2018 | Interview

Kristina Pfoser

Das Wort "Altersmilde" will er aber nicht hören. "Ich bin immer noch gerne unverschämt, abweisend, ich lasse mir nach wie vor nichts gefallen und ich bin niemandem etwas schuldig."

Selbstbild mit russischem Klavier

"Früher begann der Tag mit einer Schusswunde" - mit dieser Sammlung knapper, poetischer Prosatexte hatte sich Wolf Wondratschek anno 1969 in den Status eines Kultautors geschrieben. In den 70er Jahren ist ihm dann das Kunststück gelungen, mit Lyrik auf die Bestsellerlisten zu kommen, mit Gedichtbänden wie "Chuck's Zimmer" oder "Männer und Frauen". Jetzt kann man diese Texte wieder nachlesen - in einer Gesamtausgabe, die mit einem neuen Roman eröffnet wird.

In "Selbstbild mit russischem Klavier" geht es um einen alten russischen Pianisten, der in Wien im Exil gestrandet ist. "Da vermischen sich Erfindungen und Realität, Tatsachen und Zufälle in den Spiegelungen meines Gehirns", meint Wolf Wondratschek.

Hommage an die Musik

Als Hommage an die Musik will er diesen Roman verstanden wissen, in der Biografie des Pianisten reflektiere er sich selbst. "Suvorin, mein Protagonist, hat zum Beispiel ein Riesenproblem - er kann Applaus nicht ertragen." Und so geht es auch Wolf Wondratschek: "Etwa nach einem Streichquartett von Schubert. Der letzte Ton ist noch nicht ganz verklungen, da brüllt einer neben mir ‚Bravo!‘ Ich bin vernichtet, ich schäme mich für diese Dummköpfe! Ist das alles Teflon, brennt da nichts an? Geht da nichts hinein in die Seele? Ist da keine Erschütterung?"

Roman im Safe

Auf den Applaus des Publikums hat Wolf Wondratschek zuletzt auch mit seinem Roman "Selbstbild mit Ratte" verzichtet. Das einzige Exemplar ruht seit vier Jahren im Safe eines pensionierten Unternehmensberaters. "Er liebt dieses Manuskript und ist stolz darauf, er hat es für eine stattliche Summe erworben unter der Bedingung, dass es nie publiziert wird. Ich war sehr zufrieden, mich zurückzuziehen und der Welt abhanden zu kommen."

Ein toller Dichter

Jetzt ist Wolf Wondratschek wieder da - mit Ullstein als neuem Verlag und einer Kassette mit 13 Lyrikbänden, die zeitgleich mit dem Roman erscheinen. "Ich lese gerade diese schmalen Bände und sage Ihnen: Es ist ein Vergnügen! Es ist ein Vergnügen, wenn etwas so über 40 Jahre lang hält. Grandios. Ich bin einfach ein toller Dichter."

Sevice

Wolf Wondratschek, Das Gesamtwerk, Ullstein Verlag
Wolf Wondratschek, "Selbstbild mit russischem Klavier", Ullstein Verlag

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