Mathias Johannes Schmidhammer

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Mathias J. Schmidhammer, Komposition

Mathias Johannes Schmidhammer studierte Komposition an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien bei Michael Jarrell, Johannes Maria Staud, Periklis Liakakis und Axel Seidelmann. Er ist der Gewinner des Ö1 Talentebörse Kompostionspreises 2018.

Was ist Kunst?

Es gibt da wohl nicht eine Erklärung, die alles abdeckt. Mir gefällt es, sich dem Thema von unterschiedlichen Seiten zu nähern. Kunst beginnt für mich dort, wo ein Ausdruck über seinen Informations- und Kommunikationswert hinaus auch einen ästhetischen Wert hat, wo er um seiner selbst willen sein darf. Das ist meine idealistische Sichtweise. Die andere ist: Kunst ist das, was als solche gilt. Da ist wohl auch was Wahres dran, auch wenn diese Definition ein Zirkelschluss ist.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich habe von frühester Kindheit an viel gesungen, habe dann mit sechs Jahren begonnen Klavier zu spielen. Im Laufe meiner Jugend habe ich dann immer mehr gemerkt, dass ich die Musik zu meinem Beruf machen möchte. Die Lust zu Komponieren war bei mir immer schon latent vorhanden, mir haben aber anfangs der Anlass und die Motivation gefehlt, wirklich ein Stück aufzuschreiben, und zu Ende zu denken. Das erste Stück Neue Musik habe ich zusammen mit einem Freund von mir für Prima la Musica (Jugendmusikwettbewerb) geschrieben für zwei Flöten und Klavier geschrieben. Das ist dann wirklich gut angekommen, und irgendwie hat mich da die Lust am Komponieren so richtig gepackt, sodass ich dann auch Komposition studieren wollte.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Bei mir kommt es von allen dreien, wobei wahrscheinlich Können und Wollen einen Schwerpunkt haben, weil ich nicht von einem Zwang zu Komponieren sprechen würde, sondern eher von einer Leidenschaft.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Ich hoffe, dass ich dank der Musik viele verschiedene Orte kennen lernen kann, das wäre mir sehr wichtig. Es wäre auch mal schön, etwas in einer wirklich verrückten Konzertlocation aufgeführt zu sehen, konkret fällt mir da etwa ein Freiluftkonzert im hohen Norden ein. Oder natürlich auch ein Konzert in einem schönen großen Konzertsaal wie dem Wiener Konzerthaus, Berliner Philharmonie, etc. Aber es gibt keinen Ort, wo ich sage: Das ist das Ziel, da möchte ich hin. Ich freue mich immer, wenn es eine für mich neue Konzertmöglichkeit gibt.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Mit einem wirklich großen Ensemble wie dem Klangforum Wien, Ensemble Modern, Ensemble intercontemporain zusammenzuarbeiten, wäre schon schön. Vielleicht kommt es ja irgendwann mal so weit. Oder falls ich ein Musiktheaterwerk schreibe, wäre da die Neue Oper Wien auch wirklich fantastisch. Aber ich freue mich immer, wenn ich mit netten, tollen Musiker/innen zusammenarbeiten darf, die auch wirklich 100 Prozent geben wollen, damit das ganze Musikerlebnis möglichst ideal wird.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Schwierige Frage, weil ich wenig Einblick darin habe, wie viel von Kunst wirklich vom Markt getragen wird. Fakt ist, dass wenn Kunstformen wie Neue Musik am freien Markt überleben müssten, sie keine Chance hätten. Das gilt aber wohl auch für große Bereiche der E-Musik. Deswegen ist es natürlich wichtig, dass es Formen der Finanzierung der Kunst gibt, die nicht von einem Markt oder rein von Verkaufszahlen abhängig sind. Allerdings ist es auch da dann wieder eine Frage, wer ein wie großes Stück vom Kuchen abbekommt, und welche Form der Förderung für wen am sinnvollsten ist. Das ist wohl weniger eine künstlerische als eine politische Frage. Die müssen wir uns aber dringend stellen, denn Formen der Förderungen sind oft schnell abgestellt, da bräuchte man im Zweifelsfall schnell Argumente parat, warum eine bestimmte Sache förderungswürdig ist.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Ich glaube, das Wichtigste bei der Betrachtung einer solchen Frage ist, den Musikmarkt nicht als etwas Starres zu sehen, in die nur eine bestimmte Anzahl an Künstler/innen hineinkommen, und der von einem Künstler oder einer Künstlerin mehr schon übersättigt ist. Möglicherweise haben einzelne Künstler/innen eine so große Zugkraft, dass sie das Interesse an einer Kunstform massiv verstärken, oder andere schaffen ganz neue Plattformen, Aufführungsformen, etc. von denen auch andere profitieren. Aber ich verstehe auch, dass man nicht in allen Situationen so idealistisch und allgemein denken kann, in manchen Situationen muss eben eine konkrete Zahl von Personen aufgenommen, gefördert oder eingestellt werden und es gibt meistens sehr viel mehr hochqualifizierte Künstler/innen als Plätze. Da ist es dann meiner Meinung nach wichtig, nach einer künstlerischen Vision, nach einer Botschaft zu suchen. Aber ich musste auch noch nie eine solche Entscheidung treffen, vielleicht würde ich es ganz anders sehen, wenn ich es mal müsste.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Ich hoffe, dass ich nie in die Situation komme, das entscheiden zu müssen. Wenn es buchstäblich mein letztes Geld wäre, sicher für etwas Lebensnotwendiges wie essen oder trinken.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich hoffe, ich kann auch dann noch viel komponieren, und dass es Personen gibt, die meine Musik hören und aufführen wollen. Ich möchte auch weiterhin Musik in irgendeiner Form vermitteln und mit jungen Menschen arbeiten können. Aber bis dahin kann noch so viel passieren, im Moment möchte ich einfach schauen, mir möglichst viele Türen offen zu lassen.

Haben Sie einen Plan B?

Mein Plan A ist schon relativ flexibel, also habe ich mir noch nicht so viel Gedanken um einen Plan B gemacht. Ich habe zwar noch viele andere Interessen, aber bin in keinem dieser so weit fortgeschritten, dass ich es zu einem Beruf machen könnte.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Vor einiger Zeit bin ich zu einem Workshop mit einer Schulklasse ganz am falschen Ende von Wien gefahren, obwohl ich am Morgen noch einmal eine SMS bekommen habe, wo der Ort noch mal stand. Das war mir echt unangenehm, aber zum Glück haben die Personen vor Ort gut improvisiert, und mit dem Taxi bin ich gar nicht so sehr zu spät gekommen.

Wollen Sie die Welt verändern?

Ich wollte schon, nur habe ich da ein wenig den falschen Beruf gewählt. Es wäre auch zu bequem zu sagen, dass alles was ich tue, die Welt hoffentlich ein klein wenig zum Positiven verändert. Im Idealfall stimmt das zwar, aber die Dinge die sich in der Welt mit höchster Priorität ändern müssen, kann ich als Komponist kaum beeinflussen, da zählt das Konsumverhalten, bewussterer Umgang mit Ressourcen und reale politische Aktivität viel mehr. Also habe ich beim Komponieren nicht den Anspruch, die Welt zu verändern. Beim Unterrichten vielleicht schon ein klein wenig mehr, weil ich da doch wirklich direkt mit Personen zu tun habe. Aber auch da geht es mir hauptsächlich um das Zwischenmenschliche und das Vermitteln der Musik, weniger um das große Ganze.

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