Nicholas Ofczarek

APA/HERBERT P. OCZERET

Eröffnungspremiere

Nicholas Ofczarek als "Mephisto" an der Burg

"Mephisto" ist wohl der berühmteste Roman von Klaus Mann, dem Sohn von Thomas Mann. Verfilmt wurde der Stoff mit Klaus Maria Brandauer. Am Dienstag hat er in einer Theaterfassung des Regisseurs Bastian Kraft am Wiener Burgtheater Premiere. In der Titelrolle ist Nicholas Ofczarek zu sehen. Ö1 bat den Hauptdarsteller und den Regisseur vors Mikrofon.

Morgenjournal | 10 09 2018 | Vorbesprechung

Gernot Zimmermann

"Lass nur in Blend- und Zauberwerken / Dich von dem Lügengeist bestärken!" - Dem Lügengeist, dem unterwarf sich in Klaus Manns Roman der Schauspieler und Intendant Hendrik Höfgen, um seine Lebensrolle, den Mephisto in Goethes "Faust", zu spielen - vor, in und nach der Nazi-Zeit. Gemeint war der Schauspieler Gustav Gründgens - Freund und Weggefährte Klaus Manns; wie er homosexuell.

Kulturjournal | 10 09 2018 | Nicholas Ofczarek im Gespräch über Moral am Theater, Machtsysteme und den bevorstehenden Intendantenwechsel

Gernot Zimmermann

Nicholas Ofczarek

Nicholas Ofczarek

APA/HERBERT P. OCZERET

Wie weit kann ich mitgehen? Wie lang kann ich zuschauen? Was ist Widerstand?

"Die Regel ist: Wenn du als Schauspieler einen Schauspieler spielst, spiel keinen Schauspieler, der einen Schauspieler spielt. Man spielt einen Menschen mit all seinen Nöten", sagt Nicholas Ofczarek, der Gründgens alias Höfgen als Zerrissenen spielt, nicht so sehr als reinen Mitläufer und Opportunisten. Mit weißgeschminkten Gesicht, in unförmige, in rotem Samt gehaltenen Kostümen eingesperrt - in sich selbst, in seinen Ehrgeiz, in seine Verzweiflung.

Klaus Manns Abrechnung

Regisseur Bastian Kraft hat aus dem 1936 im Amsterdamer Exil erschienenen Roman eine flüssige Theaterfassung hergestellt. Dabei hat ihn vor allem eines interessiert: "Dass es eigentlich zwei Menschen waren, die sich sehr ähnlich waren - wie zwei Seiten einer Medaille; der Autor Klaus Mann und Gustav Gründgens, die befreundet waren. Und dieser Roman ist ja geschrieben wie eine Abrechnung", so Kraft. "Wie kann es kommen, dass jemand, mit dem man eng befreundet ist, so verloren gehen kann?"

Gründgens, erpressbar durch seine Homosexualität und durch sein Bestreben ganz nach oben zu kommen, wird zum Berliner Starschauspieler und entscheidet sich sogar den höchsten Intendantenposten anzunehmen - obwohl er wie in seiner Jugend mit den Nazi-Gegnern sympathisiert.

Intermezzo | 09 09 2018 | Die unheimlichen Opportunisten am Theater - Bastian Kraft im Gespräch

Gernot Zimmermann

Opportunist und Nutznießer

Bastian Kraft: "Gustav Gründgens ist im Land geblieben, hat Karriere gemacht. Er war Nutznießer des NS-Regimes. Auf der anderen Seite hat er es bis zum Schluss geschafft, relativ unabhängig Theater zu machen; eine gewisse literarische Qualität aufrecht zu erhalten. Und er hat sich für jüdische Mitarbeiter eingesetzt, auch für politisch Verfolgte."

"Wir sind nie völlig frei am Theater"
Bastian Kraft

Ein großes Ensemble spielt um die beiden Protagonisten der Aufführung Hendrik Höfgen und Klaus Mann. Der wird von Fabian Krüger verkörpert, der an seiner Schreibmaschine sitzt, immer wieder ins Geschehen eingreift oder es kommentiert.

Fabian Krüger als Klaus Mann

Fabian Krüger als Klaus Mann

BURGTHEATER/GEORG SOULEK

Wer erkennt wirklich die Zeichen der Zeit?

Wer die Vorlage kennt, wird viele historische Figuren erkennen, wie Elisabeth Bergner, Hermann Göring und seine Frau, Pamela Wedekind oder Erika Mann, die kurz mit Gründgens verheiratet war. Aber Bastian Kraft geht es nicht darum, ein geschichtliches Tableau zu entwickeln, er stellt aktuelle Fragen zur politischen Befindlichkeit der Gegenwart. Wie weit kann man Fehlentwicklungen in der Demokratie hinnehmen, wer schaut weg, wer steht auf? Wer erkennt wirklich die Zeichen der Zeit?

Tanzendes Ensemble

BURGTHEATER/GEORG SKOULEK

Wie sehr hat sich Gustav Gründgens selbst betrogen, wie sehr wusste er, dass er einen falschen Weg gegangen war? Der Schluss des spannenden Theaterabends bleibt offen. Fabian Krüger alias Klaus Mann überlässt die Entscheidung dem Publikum: "Wenn es je Applaus geben sollte für unser Handeln, dann ist das der der Nachwelt."

Gestaltung

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