Brigitte Kowanz

APA/GEORG HOCHMUTH

Positionen in der Kunst - Brigitte Kowanz

Botschafterin des Lichts
Durch Lichtinstallationen verändere sich der vorgefundene Behälterraum, schreibt der Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme 1994. "Er ist nicht länger das homogene dreidimensionale Gefäß zur Unterbringung von Sachen und Lebewesen. Der Raum wird auch nicht zum Träger kultureller Symboliken", so Böhme. Der Raum werde durch das Licht erst hervorgebracht. "Licht nämlich ist ein Raumbildner, der Raumbildner schlechthin." Es ist genau dieses transformative Verhältnis von Licht und Raum, mit dem sich die Künstlerin Brigitte Kowanz seit ihren frühesten Arbeiten auseinandersetzt.

Marlene Nowotny

Mit Leinwänden, auf die sie selbstleuchtende Pigmente aufbrachte, analysierte sie das Verhältnis von Bild und Malerei zu Raum und Wahrnehmung. Mitte der 1980er begann Kowanz sich mit Lichtquellen und Projektionskörpern zu befassen, etwa durch die Verwendung von Glasflaschen. Seit damals bestimmte die Auseinandersetzung mit dem flüchtigen Medium Licht, mit der Überlagerung von Realem und Virtuellem, mit dem Zusammenstoß von Ungreifbarem und Imaginärem das Schaffen der 1957 in Wien geborenen Künstlerin.

Schon 1984 wurden Arbeiten von ihr bei der Biennale in Venedig ausgestellt - 2017 bespielte sie dort einen Teil des Österreichischen Pavillons und zwar mit Lichtobjekten, die viele von Kowanz künstlerischen Themen vereinten: Sprache, Codes, Zahlenreihen und raumgreifende Transformation. In diesem Zusammenhang bezeichnete sie der Medienkünstler Peter Weibel als "Botschafterin des Lichts". Spiegelungen und geschwungene Leuchtröhren eröffnen in vielen ihrer Arbeiten einen hybriden Raum, dessen Grenzen nicht eindeutig definiert sind.

Licht wird dabei als Transportmedium von kodierten Informationen verwendet. So setzte Kowanz etwa in den 90er Jahren das Morsealphabet, ausgehend von einfachen Strich-Punkt-Kombinationen, als Kodierung ein. Denn als binärer Code stellt das Morsen den Ursprung der Informationsübertragung mit Licht dar. In neueren Arbeiten sind an die Stelle von Strichen und Punkten zwei Zahlen gerückt: null und eins, der binäre Code des Internetzeitalters.

Kowanz, die von 1975 bis 1980 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien studierte, die heute eine Universität ist, fungiert dort seit 1997 als Professorin für Transmediale Kunst.

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