Karel Dobrý, Lukas Holzhausen

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"König Ottokar" am Volkstheater

Nach einer krankheitsbedingten Premierenverschiebung kommt heute Abend am Wiener Volkstheater Franz Grillparzers Stück "König Ottokars Glück und Ende" zur Aufführung - jenes österreichische Nationalstück, das 1955 zur Wiedereröffnung des Burgtheaters gegeben wurde, und das zuletzt 2005 in der Inszenierung von Martin Kusej bei den Salzburger Festspielen und am Burgtheater zu sehen war. Am Volkstheater inszeniert der tschechische Regisseur Dusan David Parizek und naturgemäß ist sein Blick auf den Kampf zwischen dem Böhmenkönig Ottokar und dem Habsburger Rudolf ein etwas anderer.

Morgenjournal | 08 01 2019
Katharina Menhofer

Es war einmal ein böser, mächtiger und tobsüchtiger König und ein ganz bescheidener, einfacher und guter Mann, der zurecht zum Kaiser gewählt wurde. Der böse König hieß Ottokar von Böhmen, der gute Kaiser Rudolf von Habsburg und der Märchenerzähler Franz Grillparzer.

Seit seiner Uraufführung vor fast 200 Jahren erzählt man jenes Märchen vom Ende des Böhmenkönigs bei der Schlacht von Dürnkrut 1278 gern und oft auf österreichischen Bühnen, heute allerdings mit einem distanzierteren Blick.

Geschichten, die etwas wollten

"Wie der 'Wilhelm Tell' für die Schweiz, sind das ja Geschichten, die etwas wollten in der damaligen Zeit; sie wollten eine Nation begründen, und es sind ganz viele Ideen da drin. Und wir versuchen diese Ideen auszuweisen, als das, was sie sind. Geschrieben wurde das Stück im Biedermeier, mit der Zensur - und es ist eine Huldigung an Habsburg, das ist doch sehr interessant", sagt der Schauspieler Lukas Holzhausen, Darsteller des Rudolf von Habsburg und wie dieser aus der Schweiz stammend.

Karel Dobrý, Lukas Holzhausen

Karel Dobry und Lukas Holzhausen

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Den Böhmenkönig Ottokar Przemysl besetzt der tschechische Regisseur Dusan David Parizek mit dem tschechischen Theaterstar Karel Dobry, der auch in internationalen Filmen wie "Mission Impossible" mitgewirkt hat und der das Stück, das nie ins Tschechische übersetzt worden ist, nicht gekannt hat: "Das war für mich interessant und traurig, weil das für Böhmen sehr schwierige Zeiten waren."

Filigran und aktuell

Der Regisseur Dusan David Parizek, der nur selten zu Interviews bereit ist, entlarvt Grillparzers Stück über die Anfänge der Habsburgerherrschaft als konstruierte Geschichte. So filigran wie das meterhohe Gerüst aus Holzlatten, das schließlich in sich zusammenkracht.

Karel Dobrý auf einem Schimmel

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Karel Dobry als Ottokar von Böhmen

Freigelegt wird dadurch eine äußerst aktuelle Geschichte über Machtmechanismen, die vielen Spielarten der politischen Demütigung und durchaus heutige Populisten. "Solche Figuren tauchen überall auf - und wir haben uns entschieden, eher den Rudolf als diese Figur auszuweisen, als den Otto. Der ist ein wahrer Machtmensch und seine Bescheidenheit ein Fake."

Verdichtet und gewürzt

"Es ist ein gutes Land" - auch jene berühmte Ottokar-von-Horneck-Rede, der Lobgesang auf Österreich, den heimische Schulkinder früher auswendig lernen mussten, könne man heute nicht mehr ernsthaft dem Publikum anbieten, so Lukas von Holzhausen: "Wenn man sich diese Zeilen anschaut, das ist schon erstaunlich, dass Österreich nur darauf wartet, von einem Führer wieder genommen zu werden. Das wär doch erstaunlich, das kann man doch nicht ernst nehmen."

Die Proben zeigen: Dusan David Parizek verdichtet seine Grillparzer-Nacherzählung auf sieben handelnde Personen, setzt gehörig auf Klamauk und Übertreibung - inklusive Papierkrönchen, Paprika-Kunigunde, Wiener Bürgermeister-Persiflage und echtem Pferd, würzt die Sprache mit Kraftausdrücken und verschiedenen Dialekten und nähert sich dem österreichischen Klassiker gänzlich ohne Ehrfurcht. Aber die wurde dem Stück im Laufe seiner Geschichte ohnehin schon über die Maßen zuteil.

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