Ai Weiwei, Descending Light with A Missing Circle, 2017

BRUNO BÜHLMANN

Ai Weiwei in MAK-Schau "Chinese Whispers"

Die weltgrößte Sammlung zeitgenössischer Kunst aus China präsentiert das MAK in der Ausstellung "Chinese Whispers". Der Privatsammler Uli Sigg hat in seiner Eigenschaft als Schweizer Botschafter in China in 40 Jahren 2.500 Kunstwerke zusammengetragen. Zu sehen ist eine Auswahl, darunter auch drei Arbeiten des wohl prominentesten chinesischen Künstlers, Ai Weiwei.

Morgenjournal | 30 01 2019 - Chinese Wispers

Sabine Oppolzer

Kulturjournal | 29 01 2019 - Uli Sigg im Gespräch

Sabine Oppolzer

Die großformatigen Gemälde zeigen Stimmungsbilder aus der Geschichte Chinas der letzten 40 Jahre: Man sieht da etwa ein Liebespaar in einen blutroten Fluss blicken oder gutbetuchte junge Chinesen mit Weingläsern in der Hand, denen das Wasser bis zu den Knien reicht. Beide Gemälde lösen im Betrachter sofort Unbehagen aus.

Ebenso wie der wie lebendig wirkende Ai Weiwei, der mit dem Gesicht nach unten am Boden liegt. Es ist nur eine Skulptur. Ai Weiwei sagt, weil es in China so gefährlich sei, seine politische Meinung zu äußern, würden viele der Künstler zu den Mitteln der Ironie greifen, um sich auszudrücken. Viele der Gemälde zeigen technisch höchste Perfektion - ein Erbe der ausgefeilten Malkunst im Sozialen Realismus.

Werke für neues Museum in Hong Kong

Der Privatsammler Uli Sigg hat die weltgrößte Sammlung zeitgenössischer Kunst aus China zusammengetragen. 2.500 Kunstwerke nennt er sein Eigen 1.400 davon hat er einem staatlichen Museum in Hong Kong vermacht, das Ende 2020 eröffnet werden soll. Die Architektur stammt von dem renommierten Architektenteam Herzog & De Meuron. Und ohne die Sammlung von Uli Sigg wäre es wie viele andere Museen in China weitgehend leer.

Ai Weiwei sagt, wenn Uli Sigg nicht 1979 begonnen hätte, die zeitgenössische chinesische Kunst zu sammeln, hätte niemand sie gesammelt und in den Westen gebracht. Es war nicht immer einfach, sagt Uli Sigg, tagsüber als Schweizer Botschafter aufzutreten, und abends unauffällig die regimekritischen Künstler in ihren Ateliers zu besuchen. Die chinesischen Autoritäten hatten das übersehen, weil sie ihm dankbar waren, dass er nach der wirtschaftlichen Öffnung, die 1978 propagiert worden war, das allererste Joint Venture mit China in die Wege geleitet habe.

Der Wirtschaftstreibende entdeckt Ai Weiwei

Es war Uli Sigg, der den chinesischen Künstler Ai Weiwei in den 1990er Jahren entdeckt hat, der ihn Harald Szeemann für die Biennale in Venedig ans Herz legte und der ihn den documenta-Machern in Kassel vorstellte. Ai Weiwei sagt, Uli Sigg habe nicht nur ihn, sondern auch viele andere zeitgenössische Künstler entdeckt. Ohne Sigg wäre die chinesische Kunst nie in den Westen gelangt.

2011 wurde der politische Aktivist Ai Weiwei, der seine Regimekritik in China über Twitter und Instagram verbreitete, wegen angeblicher Steuervergehen festgenommen. Wie hunderte von Regimekritikern sei er misshandelt worden und fast gestorben, erzählt Ai Weiwei. Auch von dem kürzlich zu viereinhalb Jahren verurteilten Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang wisse niemand, wo er sei und wie es ihm ergehe.

"Erinnerung an Dissidenten wird ausgelöscht"

Lange Zeit durfte Ai Weiwei nicht ausreisen, seit 2015 hat er eine Gastprofessur an der Berliner Akademie der Künste und lebt in Berlin. Ai Weiwei ist überzeugt, dass die Erinnerung an ihn in China inzwischen ausgelöscht sei. Denn die Chinesen hätten keinen Zugang mehr zu Twitter oder Instagram, es sei in China kein Foto und kein Text von ihm mehr präsent. Durch das Auslöschen Andersdenkender schaffe das autoritäre System seine Stabilität.

Absolut sehenswert ist diese Schau, die auf sehr anschauliche und teilweise dramatische Weise 40 Jahre chinesischer Geschichte abbildet.

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MAK – Chinese Whispers

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