Kevin Spacey, Szene aus "House of Cards", IPad

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Digital.Leben

Was Netflix über seine Seher/innen weiß

Alle Staffeln von "House of Cards", "Gossip Girl" und ein paar "Breaking Bad"-Folgen gesehen? Wer den Streamingdienst Netflix nutzt, dem muss klar sein, Netflix schaut immer mit. Der Streamingdienst weiß ganz genau, welche Serie wir wann wie oft gesehen haben, wann wir vor- und zurückspulen oder auf Stopp drücken.

Die letzte Episode der Serie "The Killing" hat Katharina Nocun mehrfach gesehen und bei der zweiten Staffel von "Tote Mädchen lügen nicht" hat sie 14 Mal vorgespult. Die Autorin und Datenschutzaktivistin hat bei Netflix ihre Daten angefordert und nach einigen Nachfragen gruselige Werte bekommen, wie sie erzählt: Zum Beispiel, wie oft sie in den ersten zwei Monaten ihres Abos auf Play gedrückt hat, nämlich 191 Mal, dass sie im ersten halben Jahr 20 Serien geschaut und einmal sogar länger als zwölf Stunden am Stück mit Netflix verbracht hat.

Play, Stop, Vor-Rückspuldaten - alles gespeichert

Laut Netflix haben sich im Jahr 2017 acht Millionen Nutzerinnen und Nutzer noch am Tag der Veröffentlichung einer neuen Staffel gleich alle Folgen hintereinander angeschaut. Binge Watching, also der Hang zu Serienmarathons, kann laut einer Studie der University of Texas in Austin auch ein Indiz für Realitätsflucht und mangelnde Selbstbeherrschung sein. Netflix speichert nicht nur, wann wir was wie intensiv geschaut haben, sondern auch an welchen Stellen eines Films wir vor oder zurückspulen.

Diese Vor- und Rückspuldaten nutze Netflix etwa, um Drehbücher für die nächste Staffel zu optimieren, das wäre aber auch ohne Zuordnung zum jeweiligen Nutzer-Account möglich, meint die Datenschutzaktivistin Nocun.

Alles im Dienst der Verbesserung

Viele dieser Datensammlungen sind legal, die Unternehmen würden sich nämlich darauf berufen, bestimmte Daten zu speichern, um den Dienst für die Nutzerinnen verbessern zu können - das sei eine sehr weitgefasste Formulierung, kritisiert Katharina Nocun. Sie fordert hier Datensparsamkeit, gerade bei einem Dienst, bei dem Nutzerinnen ja auch zahlende Kunden sind - und daher ausnahmsweise nicht mit ihren Daten zahlen sollten.

Was Unternehmen wie Netflix über uns Nutzerinnen und Nutzer speichern lässt sich über eine Datenauskunft herausfinden.

Service

Seit einem Jahr (seit 25.Mai) ist die DSGVO in Kraft, laut Datenschutz-Grundverordnung steht jedem und jeder die Auskunft zu, welche Informationen ein Unternehmen über die eigene Person gespeichert hat.
Muster Auskunftsformular DSGVO