Szene aus Otello

WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

"Otello"-Premiere aus der Wiener Staatsoper

Eine Neuproduktion von Giuseppe Verdis "Otello" an der Wiener Staatsoper und in Ö1 - mit Aleksandrs Antonenko (Otello), Olga Bezsmertna (Desdemona), Vladislav Sulimsky (Jago) u.a. Dirigent: Myung-Whun Chung.

Seit der Uraufführung seiner "Aida" im Jahr 1871 hatte Giuseppe Verdi keine neue Oper mehr geschrieben. "Ich würde doch nur wieder zu hören bekommen", so beklagte er sich 1878, "ich könne nicht schreiben und sei ein Nachläufer Wagners. Welch ein Ruhm! Nach nahezu 40 Jahren meiner Laufbahn ende ich als Nachahmer."

Und doch versuchte es Verdis Verleger Giovanni Ricordi immer wieder, den zurückgezogen lebenden Komponisten zu überzeugen, der Welt noch ein neues Werk zu schenken. Im November 1879 sandte Ricordi eine Niederschrift von Arrigo Boitos Opernentwurf zu "Otello" an den Komponisten - mit der taktischen Bemerkung versehen, Verdi solle sich zu nichts verpflichtet fühlen. Allerdings war der gefeierte Tonsetzer, von jeher ein großer Anhänger des Schaffens von William Shakespeare, vom Text begeistert - und entschloss sich zur Komposition.

Mittagsjournal | 18 06 2019 | Vorbericht

Sebastian Fleischer

Kulturjournal | 18 06 2019 | Tenor Aleksandrs Antonenko im Gespräch

Szene aus Otello

WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

"Fühlen Sie sich zu nichts verpflichtet ..."
Verleger Ricordi an Verdi

Ein Mann mit Sinn für die Bühnenkunst

Arrigo Boito war in den 1880er Jahren ein in Italien bekannter Dichter, Kritiker, Librettist und Komponist. Seine Oper "Mefistofele" war zwar anfänglich erfolglos gewesen, eine Revision bescherte dem Werk aber 1875 seinen Durchbruch. Eine Zeit lang gehörte Boito einer Protestbewegung gegen alles Traditionelle und Etablierte an - damals geriet auch Verdi in das Schussfeuer dieser Bewegung.

Dennoch erkannte Verdi in Boito einen literarisch gebildeten Mann mit Sinn für die Bühnenkunst. Vor allem wusste Boito ein gewaltiges Werk wie Shakespeares "Othello" sinnvoll für die Opernbühne zu bearbeiten: Er kürzte das Original radikal und beschränkte sich auf jene Szenen, die für den dramatischen Konflikt notwendig sind. Über die Vorgeschichte der Liebe zwischen Otello und Desdemona erfahren wir in der Oper kaum etwas, gar nichts über den Widerstand von Desdemonas Vater gegen diese Verbindung und auch nichts von Otellos Berufung zum Oberbefehlshaber über Zypern.

Kompromisslos komponiert

Kompromisslos wie bei der Komposition ist Verdi auch bei der Vorbereitung der Uraufführung vorgegangen; er hätte sogar das Recht gehabt, die Oper noch nach der Generalprobe zurückzuziehen - dazu kam es jedoch zum Glück nicht. Die Uraufführung im Februar 1887 in der Mailänder Scala war ein gesellschaftliches und künstlerisches Großereignis: eine neue Verdi-Oper nach 16 Jahren! Die Musikwelt war höchst gespannt und feierte das Werk schließlich triumphal. Bis in die Gegenwart gilt es als eines der größten und stärksten Schöpfungen aus der Feder Giuseppe Verdis.

Diesem Meisterwerk gilt die letzte Premiere der Wiener Staatsoper in der Saison 2018/19. Die neue Produktion wird von Adrian Noble inszeniert (er hat im Haus am Ring bereits "Hänsel und Gretel" in Szene gesetzt) und von Myung-Whun Chung dirigiert, der damit (nach "Rigoletto" 2014) seine zweite Verdi-Premiere in Wien leitet.

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