Ivan Eröd

APA/HANS PUNZ

Komponist Ivan Eröd ist tot

Der ungarisch-österreichische Komponist Ivan Eröd ist verstorben, wie der ORF aus dem Kreis der Familie erfuhr. In seinen Kompositionen fanden sich Jazzanklänge genauso wie ungarische Volksmusik und - ganz wichtig, weil in der zeitgenössischen Musik viel zu selten - Humor. Zu Eröds Studenten zählten Georg Friedrich Haas oder Johannes Maria Staud.

Kulturjournal | 24 06 2019

Susanna Dal Monte

Auf die Welt kam Ivan Eröd am 2. Jänner 1936 in Ungarns Hauptstadt Budapest. 83 Jahre und zahlreiche Verwerfungen des 20. Jahrhunderts später war der Komponist Österreicher, Wiener und einer der renommierten Tonsetzer des Landes - ein Weg, der in den 1930ern noch nicht abzusehen war, wurde doch Eröds Bruder ebenso wie seine Großeltern in Buchenwald beziehungsweise Auschwitz ermordet.

1956 Emigration nach Österreich

Nach dem Scheitern des Volksaufstands in Ungarn 1956 entschloss sich der junge Musiker allerdings zur Flucht nach Österreich. "Ich würde jedem, der heute emigrieren muss, wünschen, dass er so gut aufgenommen wird wie wir damals", hatte sich Eröd vor einigen Jahren gegenüber der APA an seine damalige Flucht und die darauffolgende Integrationsphase erinnert.

Eröd kam zunächst in ein Flüchtlingslager in Oberösterreich und riss nach einer Woche per Autostopp nach Linz aus. Dank eines US-Stipendiums konnte er bald an der Wiener Musikakademie seine musikalische Ausbildung wieder aufnehmen, die er in Budapest nicht hatte abschließen können. 1961 erhielt er sein Diplom in Klavier und Komposition.

Herbert von Karajan holte ihn an die Staatsoper

Ab 1962 war Eröd als Solokorrepetitor und Studienleiter an der Staatsoper tätig und erhielt in Folge Lehraufträge und Professuren an den Musikhochschulen von Graz und Wien, wobei unter anderen Georg Friedrich Haas oder Johannes Maria Staud zu seinen Studenten zählten. Sein eigenes kompositorisches Werk ist mittlerweile geprägt von freien, leichter zugänglichen Elementen im Feld der Tonalität, die sich der Einordnungen in die diversen Schulen entziehen. Von der Auseinandersetzung mit den Traditionen der schönbergschen Zwölftontechnik hat sich Eröd abgewandt.

Dabei scheute sich Eröd nicht, Jazzanklänge oder ungarische Volksmusik in seine eigene Tonsprache zu integrieren, die oft ein im heimischen Musikbetrieb seltenes Element aufweist: Humor. Auch im Musiktheater setzte Eröd wenige, dafür aber erfolgreiche Akzente, zum Beispiel mit dem Kinderwerk "Pünktchen und Anton" nach Erich Kästner an der Wiener Staatsoper.

Das Komponieren, vor allem aber die Professuren und die häufigen Konzerte als Pianist ermöglichten es Eröd, mit Musik seinen Lebensunterhalt bestreiten und eine Familie zu gründen. 1969 heiratete er die französische Germanistin Marie-Luce Guy, das Paar bekam fünf Kinder. Darunter finden sich heute renommierte Musiker wie der gefeierte Bariton Adrian Eröd oder der RSO-Fagottist Leonard Eröd.

Vielfach ausgezeichnet

Zu Ungarn, dem Land seiner eigenen Kindheit, hatte der vielfach ausgezeichnete Komponist seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder intensiven Kontakt. Er besaß die Doppelstaatsbürgerschaft - und ein zwei Autostunden von Wien entferntes Bauernhaus in Westungarn.

Darüber hinaus nannte Ivan Eröd auch zahlreiche Auszeichnung sein Eigen. Nach dem Österreichischen Staatspreis (1970) erhielt Eröd 1978 den Würdigungspreis der Stadt Graz, 1980 denjenigen des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst. Auf den Musikpreis der Stadt Wien (1986) folgten 2001 das Große Silberne Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

Text: APA/Red.

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