Filmstill, coloriert

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"They Shall Not Grow Old" - WK I in Farbe

Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson ist einem breiten Publikum vor allem durch seine Fantasy-Verfilmungen, die beiden Trilogien "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit", bekannt. Jetzt hat sich Jackson einem Projekt gewidmet, das ganz auf dokumentarisches Filmmaterial aufbaut: Für "They Shall Not Grow Old" hat Jackson historisches Filmmaterial über den Ersten Weltkrieg restauriert, koloriert und in 3-D konvertiert.

Mittagsjournal | 26 06 2019

Zu Beginn ist die Leinwand noch das vertraute Fenster in eine andere Zeit: die Bilder in gewohntem Schwarz-Weiß, zeigt der neuseeländische Regisseur Peter Jackson die Kriegsvorbereitungen in Großbritannien. Den Enthusiasmus junger Männer im siegessicheren Empire, die nicht wissen, was auf sie zukommt. Doch an der Westfront, in Nordfrankreich und Belgien angekommen, leuchten die 100 Jahre alten Aufnahmen plötzlich in Farbe.

Kriegsalltag, wie ihn die Soldaten sahen

Es ist vor allem das Rot des Blutes und die gelbe Lackierung der Granaten, die aus den Grün-, Grau- und Brauntönen der Uniformen und des Schlamms herausstechen. Erfrierungen an den Füßen sind nicht mehr nur schwarze Schatten, und die jungen Männer wirken noch jünger.

Historische Distanz wird aufgehoben

Er habe den Ersten Weltkrieg so zeigen wollen, wie ihn die Soldaten damals gesehen haben, so Peter Jackson: "Es war ein Krieg in Farbe. Nicht in Schwarz-Weiß, wie wir ihn heute kennen." Jackson hat die Bilder aber nicht nur eingefärbt, sondern sie modernisiert und heutigen Sehgewohnheiten angepasst.

Das Kolorieren sei zwar zeitaufwendig, aber technisch nicht der komplexeste Part gewesen: "Am Schwierigsten war es, aus schlechten gute Schwarz-Weiß-Bilder zu erzeugen: nach-zu-schärfen, Kratzer zu entfernen. Und es brauchte Zwischenbilder um das Ruckeln zu beheben: Damals wurde mit 15, 16, 17 Bildern pro Sekunde gedreht, per Computer haben wir zusätzliche Einzelbilder generiert und die Frequenz auf 24 Bilder erhöht." Und es sind vor allem auch die flüssigen Bewegungsabläufe, die die historische Distanz aufheben, den Bildern eine neue Vertrautheit und Unmittelbarkeit geben.

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"We are in the picture!"

Die Soldaten lachen in die Kamera, im Wissen gefilmt zu werden. Vielleicht das Erste Mal in ihrem Leben. Jackson zeigt, wie sie sich die Zeit vertreiben, aber spart dann auch den Horror der Grabenkämpfe nicht aus: Verwesende Leichen im Stacheldraht und in Schützengräben, Männer verwundet im Dreck und umgeben von Ratten. Über 600 Stunden Archivmaterial des "Imperial War Museum" in London haben Jackson und sein Team ausgewertet - und auch durch eine zusätzlich emotionalisierende Tonspur ergänzt.

Zum einen montiert Jackson Archivaufnahmen der BBC und Zeitzeugenberichte. Zum anderen wurden für einige kurze Ausschnitte die Gespräche der Soldaten von Lippenlesern rekonstruiert und von Schauspielern eingesprochen. Historiker kommen in diesem Film keine zu Wort. "They Shall Not Grow Old" sei keine Dokumentation über den Ersten Weltkrieg, sondern über die menschliche Erfahrung im Krieg, sagt Jackson: "Es gibt genug Dokumentationen über den Ersten Weltkrieg, mir ist es um die subjektive, emotionale Perspektive der Soldaten gegangen.“

Keine Analyse und keine Einordnung des Gezeigten, sondern ein Blick auf Ausschnitte des Krieges - erzählt aus der Perspektive einfacher Soldaten, die hier in Farbe lachen, kämpfen und sterben.

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