André Heller, 1972

ORF

Andre Heller

Er ist eine der überlebensgroßen Figuren der österreichischen Pop-Historie, vielleicht sogar mehr als das: als Lied-Autor und Interpret, Radiomoderator, Labelbetreiber, Financier, Anstoßgeber, Netzwerker und Querdenker hat er Entscheidendes zur Entstehung und Emanzipierung der hiesigen Szene beigetragen.

Gestaltung: Walter Gröbchen

Aufgewachsen als Enkel eines Süßwarenfabrikanten und Sohn eines Offiziers im französischen diplomatischen Dienst, zählte er 1968 zu den Mitbegründern des Senders Ö3 und moderierte u.a. als DJ Andreas und unter dem Pseudonym André Miriflor "Die Musicbox". Zugleich startete er im Dunstkreis der ersten Austropop-Gehversuche eine eigene Karriere als Chansonnier: 1968 erschien Album "Nr. 1" (das auch genau diesen Titel trug), bis 1985 veröffentlichte er insgesamt 14 Alben. Er arbeitete mit österreichischen Größen wie Robert Opratko, Toni Stricker, Peter Wolf, Wolfgang Ambros und Helmut Qualtinger zusammen, nahm aber auch mit internationalem Blickwinkel mit Musikern wie Astor Piazzola, Freddie Hubbard oder Brian Eno auf.

Trotz großer Erfolge - darunter Tourneen bis nach Israel, zwölf Gold- und sieben Platin-Auszeichnungen - wandte sich Heller ab Anfang der 1980er-Jahre verstärkt aufwändigen Inszenierungen, Spektakeln und Installationen zu. Zu nennen wären hier u.a. das Varieté "Flic Flac", Feuertheater in Lissabon und Berlin, Zirkusshows, Ballonskulturen und Kunstjahrmärkte, die Einrichtung der Swarovski Kristallwelten in Wattens und zuletzt die Eröffnung des "Anima"-Gartens in Marrakesch. Auch als Buchautor trat Heller immer wieder in Erscheinung.

Ein Universal-Poet? Hellers Talent zur verschwenderischen Erforschung und Ausstellung des eigenen Ichs kommt vielleicht am deutlichsten und sinnlichsten in seinem musikalischen Ouevre zur Wirkung: vom Wienerlied bis zum artifiziellen Pop-Kunstwerk, vom weltmusikalischen Flirt bis zur Bob-Dylan-Coverversion durchzieht eine ungeheure Bandbreite seine Biografie. Ende 2019 soll ein neues Heller-Album auf den Markt kommen, es wird dem Hörensagen nach nicht von Live-Auftritten begleitet werden. Eine umfassende Würdigung seines eigenwilligen - und partiell im deutschsprachigen Raum unerreichten - musikalischen Werks ist überfällig.

Übersicht