Joshua Redman

ELIZABETH ATTENBOROUGH

Jazzfestival Saalfelden

Bereits zum 40. Mal geht das Jazzfestival in Saalfelden über die Bühne. Vom kleinen Nischen-Festival Ende der 1970er ist mittlerweile nur mehr wenig übrig: 80 Acts sind diesmal zu sehen, darunter darunter etablierte Größen wie Wolfgang Muthspiel, Wolfgang Puschnig oder Joshua Redman.

Es sind aber vor allem die Jungen, die dem Jazzfestival Saalfelden auch in diesem Jahr ihren Stempel aufdrücken. Intendant Mario Steidl, selbst aus der Gegend und mit dem Festival aufgewachsen, hält an seinem erfolgreichen Konzept auch 2019 fest.

Morgenjournal | 21 08 2019 | Vorschau

David Baldinger

Der kleine Bruder darf immer etwas frecher, lauter und ungezogener sein. So in etwa könnte man das Verhältnis zwischen dem nationalen Platzhirschen Jazzfest Wien und dem Jazzfestival in Saalfelden charakterisieren. "Wir versuchen, experimentelle Musik, aus der Avantgarde und aktuelle zeitgenössische Musik zu präsentieren, was das Jazzfest Wien zu einem nicht sehr großen Teil macht", meint Mario Steidl, der die beiden Festivals als "unterschiedliche Formate" sieht.

Kulturjournal | 21 08 2019

David Baldinger

Widerspenstig und nicht auf Kommerz gebürstet

Die österreichische Formation Sketchbook Quartet, rund um Multi-Instrumentalist Leonhard Skorupa, passt genau in diese Philosophie. Wie Cykada aus Großbritannien. Das Londoner Sextett besteht aus Mitgliedern von Formationen wie dem Ezra Collective und wirbelt seit 2017 die Szene auf. Afrikanische und türkische Versatzstücke zieren diese Kompositionen ebenso wie der amerikanische Jazz ab den 1970er Jahren.

Doch bei aller Zuwendung zu innovativen Genre-Verschränkungen bleibt das Jazzfest Saalfelden aber auch weiterhin Spielwiese für bewährte Größen der Szene. Wolfgang Puschnig etwa spielte schon vor 40 Jahren mit dem Vienna Art Orchestra hier. 2019 begeht er das Jubiläum mit dem Programm "Fulsome X".

Highlights aus Österreich und den USA

Das eigentliche Eröffnungskonzert auf der Main Stage am Freitag geben der österreichische Bassist Manu Mayr und die Experimentalkünstlerin Susanna Gartmayr. Weitere Highlights versprechen die kanadische Saxophonistin Anna Webber oder Joshua Redman, der seit Jahren erfolgreich an der Schnittstelle zwischen Jazz und Pop arbeitet. Der amerikanische Tenorsaxofonist James Brandon Lewis nennt sein bislang letztes Album "An Unruly Manifesto". Lewis spielte mit John Legend oder K.d. lang und lernte sein Handwerk bei Charlie Haden. Dass er auch Ornette Coleman verehrt wird auf "An Unruly Manifesto" spür- und hörbar.

Artists in Residence sind diesmal die Sängerin und Komponistin Maja Osojnik und der Schlagzeuger Lukas Koenig, der in nicht weniger als vier Formationen in Saalfelden gastieren wird. Nach seinem Auftritt am Samstag muss König übrigens dringend nach Graz, um dort für die Popband Bilderbuch zu trommeln. Auch diese Verschränkung ist irgendwie typisch Saalfelden.

Jazz ist für alle da ...

Weil man bewusst versuchen will, dem einheimischen Publikum Jazz näher zu bringen, gibt es auch heuer wieder viele Konzerte gratis. Das Konzept hat sich bewährt. "Auf diese Art und Weise fallen viele Hemmschwellen", sagt Steidl. "Man geht an Orte, die man bisher nicht gekannt hat und lässt sich auf Musik ein, die einem bislang fremd war."

… und Jazz ist auch Business

Beim Festival geht es aber auch um Netzwerke, Business und Kontakte. Saalfelden hat sich zum Szene- und Branchentreffpunkt entwickelt. Hier werden neue musikalische Projekte ebenso geboren wie geschäftliche Allianzen geschmiedet. Allein heuer sind über 50 Veranstalter aus ganz Europa zu Gast.

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