Zwei Indigenensprecher sitzen im Ö1 Studio und sprechen mit Ulla Ebner.

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Feuer zerstört Lebensgrundlage für Indigene

Immer noch schaut die Welt besorgt auf die Waldbrände im Amazonas-Regenwald, der grünen Lunge der Erde. Viel wird über die verheerenden Auswirkungen auf Natur und Klima gesprochen, wenig über die Menschen, die dort leben. Im Amazonasgebiet gibt es zahlreiche indigene Gruppen. Viele müssen vor den Bränden flüchten, zum Teil wird ihre Lebensgrundlage völlig zerstört.

Ja, auch im Territorium der Huni Kuin habe es gebrannt, erzählen der indigene Anführer Mapu Huni Kuin und seine Schwester Bismani. Wie die meisten Indigenen Brasiliens tragen sie den Namen ihres Volkes als Nachnamen. Die Volksgruppe der Huni Kuin umfasst etwa 14.000 Menschen. Sie leben im nördlichen Bundesstaat Acre, in der Amazonasregion.

Am 22. August um 12 Uhr wurde ihre Siedlung vom Feuer überrascht, sagt Mapu Huni Kuin. Die Hälfte des Regenwaldes auf ihrem Gebiet sei niedergebrannt, ergänzt seine Schwester Bismani: "Unsere Medizinpflanzen, alles wurde zerstört. Meine Familie war da und hat versucht das Feuer zu löschen. Vergeblich. Auch die Tiere sind verbrannt."

Brände außer Kontrolle

Jetzt seien die Wasserspeicher vertrocknet, die Nahrungsgrundlage zerstört, erklärt Mapu. Die Menschen sind auf Hilfe von außen angewiesen. Traditionellerweise leben die Huni Kuin von der Jagd und dem Fischfang, sie bauen Bananen, Mais und Yucca an.

Brennender Amazonas

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Erst kürzlich hatte die Volksgruppe mit internationaler Unterstützung ein kleines Territorium von 10 Hektar gekauft, nachdem sie zuvor aus ihrer Ansiedlung in einem Naturschutzpark vertrieben worden waren. Von wem das aktuelle Feuer gelegt wurde, wissen sie noch nicht. Brände gebe es immer zu dieser Jahreszeit, erklärt Mapu Huni Kuin. Allerdings nicht in diesem Ausmaß und dermaßen unkontrolliert wie jetzt. Der enorme Rauch habe bereits gesundheitliche Auswirkungen. Vor allem Kinder und ältere Menschen leiden in den betroffenen Gebieten an Atemwegsproblemen.

"Diese Feuer sind beabsichtigt. Die Regierung will den Regenwald zerstören, damit die Agrarkonzerne, Viehzüchter und Holzfäller hineinkommen können."

Der indigene Anführer gibt dem brasilianischen Präsident Jair Bolsonaro die Schuld an den Bränden. Schließlich habe dieser bereits im Wahlkampf angekündigt, er wolle keinen Quadratmillimeter Land mehr an Indigene vergeben. "Diese Feuer sind beabsichtigt", sagt er, "die Regierung will den Regenwald zerstören, damit die Agrarkonzerne, Viehzüchter und Holzfäller hineinkommen können."

Gewalt gegen indigene Anführer

In der Vergangenheit hatten manche Regierungen im Ernstfall Feuerlöscher an indigene Gemeinden verteilt. Die jetzige Regierung unternehme gar nichts, um die indigenen Amazonasbewohner vor den Flammen zu schützen, kritisiert Mapu Huni Kuin. Außerdem sei unter Bolsonaro die Gewalt gegen Indigene angestiegen. Erst kürzlich seien zwei indigene Anführer ermordet worden. Auch er selbst habe bereits Todesdrohungen erhalten.

Er sei nach Europa gekommen, um den Regierungen hier zu sagen, sie sollten keine Regenwald-Hilfsgelder an die Regierung Bolsonaro ausbezahlen, sagt Mapu Huni Kuin, denn diese Regierung stehe für Zerstörung. Umweltschutzorganisationen und indigene Gemeinden würden sich besser für den Schutz für des Regenwaldes einsetzen. Tatsächlich haben Deutschland und Norwegen bereits ihre Finanzhilfen für den Amazonas-Fond eingestellt.

Mapu Huni Kuin ist ein indigener Anführer aus dem Amazonas-Bundesstaat Acre, seine Schwester heißt Bismani Huni Kuin.

Bismani Huni Kuin und Mapu Huni Kuin

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Wiederaufforstung dauert Jahre

Weiters sollten sich die internationalen Regierungen gut überlegen, welche Abkommen sie mit der aktuellen brasilianischen Regierung abschließen, betont der Indigenenführer. Derzeit laufen ja Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, zu denen auch Brasilien gehört. Frankreich und Irland haben bereits überlegt, angesichts der Klimapolitik von Bolsonaro dieses Abkommen zu blockieren.

Die Folgen der aktuellen Brände werden für die Huni Kuin noch lange spürbar sein, sagt Mapu. Sie wollen dennoch auf ihren Ländereien bleiben und so schnell wie möglich mit der Wiederaufforstung beginnen. Doch das dauert – je nach Pflanzenart – 5 bis 20 Jahre.

Service

Eine Spendenkampagne für die Huni Kuin läuft derzeit auf der Crowdfunding-Plattform GoFundMe.

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