Ars Electronica ARTificial Banality, The Faking of Looking, and Alchemical Gaming / Baoyang Chen (CN)

BAOYANG CHEN

Ars Electronica - Digitale Revolution in der Krise

Das Ars Electronica Festival findet vom 5. bis 9. September in der Postcity Linz statt. Diese 40. Ausgabe des weltgrößten Festivals für Medienkunst und digitale Musik findet unter dem Titel "Out of the Box - The Midlife Crisis of the Digital Revolution" statt. Sabine Oppolzer über die Krisenstimmung in der Community der Medienkünstler und bei den Pionierinnen der digitalen Revolution.

Die elektronische Konzertperformance "Silicium" in Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Carl Emil Carlsen und dem Performer Björn Svin, das Stück "Chronicle of Light Year", eine Koproduktion mit Very Mainstream Studio & Very Theatre, sowie die Tanzperformance "The Ultimate Battle" mit Noora Hannulla gehören heuer zu den Highlights der Ars Electronica.

Höhepunkte 2019

Im neuen Ars Electronica Center dreht sich unter dem Motto "Compass - Navigating the Future" alles um die heraufziehende Revolution durch Künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Auswirkungen auf unser Leben und Selbstverständnis als Menschen. Das Zentrum der Reflexion mit den Mitteln der Kunst über die Stärken und Schwächen der digitalen Welt ist ein letztes Mal die Postcity. Mit ihrer ganz speziellen Atmosphäre wird die riesige und spektakuläre Industriearchitektur dieses ehemaligen Postverteilerzentrums den Charakter des Festivals noch einmal prägen.

Zum 40-jährigen Jubiläum werden in Linz die Pionier/innen und Wegbereiter/innen der Digitalen Revolution versammelt genauso wie preisgekrönte KünstlerInnen, führende WissenschaftlerInnen und einflussreiche EntwicklerInnen der Gegenwart.

Katerstimmung

Nach einigen Datenskandalen der letzten Jahre und der Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der künstlichen Intelligenz im Vorjahr, herrscht in der Szene die Katerstimmung vor, wie Gerfried Stocker, der künstlerische Leiter der Ars Electronica sagt. Er erklärt, die ältere Generation habe in der neu aufkommenden digitalen Welt das große Versprechen gesehen und die wunderbaren neuen Möglichkeiten.

Feudalistische Systeme in der digitalen Welt

Die jüngere Generation sei nicht mehr bereit, den Preis dafür zu bezahlen. "Wir sind dort in einem feudalistischen System, in dem uns die Landlords gnädig erlauben, auf ihren Latifundien Katzenfotos auszutauschen. Ausschließlich nach ihren eigenen Spielregeln - bisher gibt es kaum Bestrebungen, das kritisch zu hinterfragen." Ganz schlecht ist laut Stocker auch die Energiebilanz vieler dieser Services.

Auch viel zu wenig thematisiert bisher ist die biotechnische Revolution. "Neben der digitalen Revolution, bei der wir uns darüber Gedanken machen, ob Computer in 50 Jahren ein eigenes Bewusstsein entwickeln werden und sich dann überlegen, ob sie die Menschen noch brauchen, über sehen wir die biotechnische Revolution weitgehend. Hier hat man längst begonnen, die Grundlagen des Menschen zu verändern. Das wird - gemessen an den Auswirkungen - viel zu wenig diskutiert."

Zweckoptimismus befeuert durch juristische Regulative

Optimistisch stimmen ihn wesentliche Schritte, die im letzten Jahr erreicht wurden. "Ein Mark Zuckerberg muss vor dem amerikanischen Kongress antanzen, fünf Miliarden Dollar Strafe für den Cambridge-Analytica-Skandal ist sicher keine Kleinigkeit. Und seit Mai 2018 gibt es mit der GDPR eine Datenschutzregelung für ganz Europa. Trotz aller Probleme sind das enorme Schritte, die wir vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätten. Als Menschen sehr wandlungsfähig, wenn wir einmal erkannt haben, dass wir am falschen Dampfer sind." Gerfried Stocker bekennt sich zum Zweckoptimistismus. Mit Pessimismus sei noch nie etwas erreicht worden, wie er meint.

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