wanda

WOLFGANG SEEHOFER

Wanda sagt "Ciao"

Ihre Vorliebe für kurze, knackige italienische Titel sollte mittlerweile bekannt sein. Und weil Wanda sich auch auf dem vierten Album treu bleiben, ist auch der Albumtitel wieder scheinbar einfach und allgemein geläufig: "Ciao" betiteln Sänger Marco Wanda und seine Band die 14 neuen Songs. Beim Alten bleibt aber trotz dieser fortgeführten Traditions- und Imagepflege längst nicht alles. Wanda sind spürbar entspannter, aber auch trotziger als zuvor. Reifer, verspielter und ambitionierter. Ein Gespräch mit Sänger Marco Wanda und Gitarrist Manuel Poppe über das neue Album.

Morgenjournal | 05 09 2019

David Baldinger

Albumcover

UNIVERSAL MUSIC

"Weiter, weiter" - sang Marco Wanda am Eröffnungstrack des Vorgängeralbums "Niente". Das Kommando gilt immer noch. "Ich erwarte eigentlich immer, dass es schlechter wird", meint der Sänger im Ö1 Interview. "Wir versuchen aber mit aller Kraft, dass es besser wird, dass es uns gefällt und immer noch etwas zu sagen hat." Nicht nur auf dem neuen Cover stechen Wanda also wieder in See, bereit Kapitel vier der Ur-Wiener-Rock-and-Roll-Saga zu verfassen. "Ciao" ist ein textlicher und musikalischer Aufbruch und meint beides: Verabschiedung des Alten und verheißungsvolle Umarmung des Neuen.

1.000 Menschen in einer Zeile


Schon die zweite Nummer zeigt, wohin die Kreuzfahrt gehen könnte. Da bettet Marco Wanda seine Stakkato-Vignetten auf Italo-80er-Funk nahe dem Disco-Beat. Die Wanda-Formel funktioniert aber auch im neuen Terrain ohne Reibungsverlust.

Kulturjournal | 05 09 2019 | Marco Wanda und Manuel Poppe im Gespräch

David Baldinger

Die Texte bleiben knapp und assoziativ. In einer einzigen Wanda-Zeile ist für 1.000 Menschen Platz. "Ich seh dich gern von rechts an" ist zwar nicht auf diesem Album, hätte aber gut und gern auch hierher gepasst. Ein Statement, das fast alle unterschreiben können. Wanda schmücken ihre Musik mit nicht weiter reduzierbaren, atomaren Rock-and-Roll-Haikus.

Ebenfalls unverändert ist die geistige und musikalische Gegenwart der Beatles, die diesmal als psychedelische Mentoren durch die 14 Songs wabert. "Mich fasziniert vor allem die textliche Ebene, wie viel Lebensphilosophie in diesen Texten steckt und wie viel Nonsens. Ungefähr in diesem Spannungsfeld sehe ich auch meinen Geist sich bewegen", meint Marco Wanda. Manchmal trägt die Band zu dick auf und nicht jede Nummer funktioniert hier. "Swing Shit Slide Show" verirrt sich in den eigenen Ansprüchen der Band.

Die Buben singen

"Ciao" klingt als ob das Leben für die Band ruhiger und nicht mehr nur als Rausch erlebbar geworden ist. Dass der titelgebende Gruß vom italienische "schiavo" kommt und mit "zu Diensten" übersetzt wird, wissen Wanda. Ihre Band sehen Sänger und Gitarrist als Dienstleistung, eine Band als Diener ihrer Fans. Angesichts des jahrelangen riesigen Erfolgs geben sich die sonst gern lauten Musiker demütig. "Wir sprechen eine Einladung aus, mit uns dieses Fest zu feiern", zeichnet Manuel Poppe ein neues Bild. "Je mehr Menschen aus verschiedensten Milieus und Gesinnungen zusammentreffen, desto besser."

Lieber Anus statt Politik

Explizit politisch wird es weiterhin nicht. Hier geht’s um Größeres als tagespolitische Aufführungen. "Ich muss sagen, ich beschäftige mich im Moment sehr wenig mit österreichischer Innenpolitik", sagt Marco Wanda. Und denkt nach. "Also, wenn wir uns ehrlich sind: der Wiener Aktionismus war in Zeiten großer gesellschaftlicher Umwälzung eher damit beschäftigt, seinen Anus zu erforschen als sich über Politik zu äußern. Insofern kann man von uns auch nicht mehr erwarten." Wanda, die "Sind-Wir-Uns-Ehrlich"-Band.

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