Szene aus dem Theaterstück "Die Bakchen"

APA/HANS PUNZ

Kusej - Neue Töne an der Burg

Mit der Premiere von Euripides Stück "Die Bakchen" beginnt im Burgtheater die Ära des neuen Direktors Martin Kusej. Weitere zwei Premieren folgen diese Woche noch.

Martin Kusej, der zuletzt das Münchner Residenztheater geleitet hat, lehnt den Begriff Nationaltheater ab, setzt auf Vielsprachigkeit, ein internationales Ensemble und hier noch unbekannte Regisseurinnen und Regisseure und will das Burgtheater zu einem europäischen Raum der "Extreme" machen.

Morgenjournal | 12 09 2019

Katharina Menhofer

Die Ära Martin Kusejs am Burgtheater beginnt mit dem Spektakulärsten, was das deutschsprachige Theater derzeit zu bieten hat - einer Inszenierung von Ulrich Rasche. Martialisches Maschinentheater mit großem Aufwand ist die Spezialität des zweifachen Nestroy-Preisträgers.

"Bakchen" als klare programmatische Ansage

"Die Bewegung des Körpers, die Rhythmik der Musik, der Rhythmik der Sprache - und das alles zusammen hat eine Kraft, die meine Chöre in besonderer Weise auszeichnet", sagt Ulrich Rasche. Euripides "Bakchen" ist ein düsteres Stück über den Kampf zwischen dem Gott Dionysos, dem Verführer und dem harten weltlichen Staatsmann Pentheus.

Passt sehr gut zur Situation in Österreich und Europa

Ein Stück, das wie sein gesamter Spielplan in einem gesellschaftspolitischen Kontext zu sehen ist, so Kusej. "Und grade die 'Bakchen' ist immer wieder neu gedeutet und interessanterweise passt dieses Stück sehr gut zur Situation in Österreich und Europa und ich glaube, dass dieses Stück eine klare programmatische Ansage ist."

Szene aus dem Theaterstück "Die Bakchen"

Szene aus dem Theaterstück "Die Bakchen"

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Von Identitätsgrenzen und multiplen Kulturen

Ein weiteres programmatische Vorzeigestück, das die Richtung des neuen Burgtheaters weisen soll ist Wajdi Mouawads "Vögel", das am Freitag im Akademietheater Premiere hat. Der kanadisch-libanesische Autor hat eine Art Romeo-und-Julia-Geschichte zwischen einem deutschen Juden und einer Amerikanerin mit arabischen Wurzeln geschrieben. Eine Geschichte über Identitätsgrenzen und multiple Kulturen - gespielt auf Hebräisch und Arabisch, Deutsch und Englisch.

Mittagsjournal | 13 09 2019 | Vorbericht "Vögel"

Sabine Oppolzer

"Deutsch soll die primäre Bühnensprache bleiben", so Kusej, appelliert aber an das Publikum, "dass man sich darauf einlässt, etwas Neues zu hören, was Fremdes, Unverständliches, Irritierendes. Vorgänge, die für mich mit Rezeption von Kunst zu tun haben. Und es wäre interessant, dem Publikum eine solche Vorgabe zu geben und zu sagen, bitte versucht damit klar zu kommen. Ich denke, dass wir nicht weiterkommen, wenn wir uns einigeln, wenn wir zurückziehen und vom Burgtheaterdeutsch und Nationaltheater sprechen."

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

"Was spielen wir jetzt?", fragt George in Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?". Die dritte Premiere der Woche ist eine Übernahme aus dem Münchner Residenztheater und eine von vier eigenen Inszenierungen, die Kusej von dort mitbringt. Norman Hacker als George und Bibiana Beglau als Martha sind nur zwei von insgesamt 30 neuen Ensemblemitgliedern, die Kusej ans Burgtheater holt.

"Das Ensemble ist groß, aber wir leisten auch etwas dafür. Und schließlich ist es der Anspruch des Theaters, große Stücke wie "Die Bakchen", wie die "Hermannsschlacht" (die Kusej selbst inszenieren wird, Anm.) oder große Shakespearestücke nicht mit vier Schauspielern zu machen, die möglichst noch jung und billig sind, sondern wir haben die Möglichkeit, mit wirklich tollen und erfahrenen und beliebten Schauspieler/innen unsere Besetzungen zu machen."

Alte Dame ins 21. Jahrhundert geleitet

Wenn sich heute Abend der Vorhang im Burgtheater hebt, beginnt für das Haus am Ring eine neue Ära, in der der 13. Direktor der Zweiten Republik, Martin Kusej, die alte Dame ins 21. Jahrhundert geleitet, ihr neue Töne abringt, fremde Sprachen beibringt, sie Richtung Europa hin öffnet und sie mit gänzlich unbekannten Künstlerinnen und Künstlern bekannt macht. Das Publikum hat Zeit sich daran zu gewöhnen, mindestens fünf Jahre lang.

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