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"Dionysos Rising" im MuseumsQuartier

Nicht nur in Euripides' "Bakchen", der Eröffnungsproduktion des Burgtheaters, steht der griechische Gott Dionysos im Zentrum. Er ist auch der Protagonist in dem Musiktheaterstück "Dionysos Rising", mit der die Gruppe netzzeit morgen Abend ihr biennales Musiktheaterfestival Out of Control eröffnet. Nach der Uraufführung im Jänner in Trient hat das Stück nun im Wiener MuseumsQuartier Österreich-Premiere, für die Regie zeichnet netzzeit-Gründer Michael Scheidl verantwortlich.

Morgenjournal | 18 09 2019

In einer Psychiatrie in der heutigen Zeit und nicht am Olymp des antiken Griechenlands - dort befindet sich Dionysos in der Handlung vom modernen Musiktheaterstück "Dionysos Rising". Wichtige Episoden seines Lebens werden darin neu interpretiert, umgeben ist er dabei von seiner Mutter Semele, seinem Liebhaber Ampelos und seiner Tochter Telete - allesamt schwer traumatisiert und ebenfalls Patientinnen und Patienten in der Klinik.

Die Jahrtausende alten Schicksale dieser Figuren und Erzählungen rund um den griechischen Gott des Weines, der Freude - aber auch des Wahnsinns - sind für netzzeit-Gründer und Regisseur Michael Scheidl zeitlos. Antike Mythen und deren Inhalte seien demnach hochaktuell, meint Scheidl in Berufung auf ein Zitat des spätantiken Philosophen Salustios: "Der hat die schönste Erklärung, was ein Mythos ist. Er hat gesagt 'Diese Dinge sind nie passiert, aber sie sind immer.'"

DarstellerInnen auf der Bühne

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Trauma und intensive Emotionen

Selbstüberschätzung, pathologische Trauer, Drogensucht und der Verlust eines Kindes sind unter anderem solche Dinge. Sie kommen mehrfach im Stück vor. Dementsprechend fordernd war für die Sängerin Anna Quadratova auch die Arbeit an dem Stück und ihrer Rolle der trauernden Mutter Semele. Für sie war es wichtig, die Emotionen nicht nur zu spielen, sondern sie auch zu fühlen, keine leichte Aufgabe bei einem Charakter mit so schwierigem Hintergrund.

Oft nahm die Sängerin ihre Gefühle und damit die Arbeit mit nach Hause: "Und dann war ich ganz leer, weil ich einfach schon so tief in der Rolle war. Und das war wahrscheinlich die größte Herausforderung, dass man nicht verrückt wird von dem Stück", erinnert sich Anna Quadratova. Die Erfahrung und Zeit waren für sie eine sehr intensiv.

Darstellerin mit Hörner

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Das Publikum eintauchen lassen

Um diese intensiven Emotionen in "Dionysos Rising" auch für das Publikum besser spürbar zu machen, kam neuartiges, immersives Sounddesign zum Einsatz. Komponist Roberto Rusconi richtete sein musikalisches Schaffen sogar eigens nach dem hyperrealen Raumklang aus, der ein Eintauchen in die Handlung ermöglichen soll. Für das Publikum kommt der Sound dabei nicht aus dem Orchestergraben, sondern aus Lautsprechern im gesamten Zuschauerraum. Die Musik mischt sich mit Stimmen, Gesang und anderen Geräuschen.

So sollen auch Dinge, die auf der inhaltlichen Ebene passieren, besser nachvollziehbar werden. Für Regisseur Michael Scheidl hat es damit zu tun, das "sich Entfremden von Dingen, die passieren" der Charaktere spürbar zu machen. Stimmen wären nicht mehr dort zu hören, wo man ihre Quelle vermutet, und es komme immer wieder zu einer disparaten Situation. Das sei das Chaos, dass Dionysos anrichtet. Mitunter auch in den Köpfen der Menschen, "was man am besten sehen kann, wenn sie dann psychisch krank werden", so Scheidl.

Nicht gut, nicht böse

Die Figur des Dionysos bewege sich dabei immer zwischen den Polen Gut und Böse, Chaos und Ordnung. Das kennzeichne derzeit auch unsere Gesellschaft, meint der Regisseur. Die Unterdrückung und Missachtung von Chaos, Rausch, der Intuition und schöpferischen Kraft, dem animalischen im Menschen - kurz die Unterdrückung des Dionysos - würde ihn erst zur wirklichen Gefahr machen.

Gestaltung: Julia Sahlender

Service

"Dionysos Rising" hat am 19. September 2019 in der Halle G des Wiener Museumsquartier Premiere und ist bis zum 21. September zu sehen.

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