Maria Bengtsson

HERWIG PRAMMER

"Rusalka" - Klangmalerei im Hallenbad

Amelie Niermeyer inszeniert zum Saisonstart im Theater an der Wien Antonin Dvoraks Märchenoper um die Wasserfrau, die Mensch werden will - David Afkham dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester Wien (RSO Wien), das heute seinen 50. Geburtstag feiert. Premiere ist heute, Ö1 überträgt live am 28. September.

Morgenjournal | 19 09 2019

Sebastian Fleischer

In der Wasserwelt herrscht ein rauer Umgangston: Nymphen provozieren den Wassermann, bezeichnen sein Reich als trostlos und einengend - dieser weist sie brüsk zurück und wird handgreiflich. Der Schauplatz ist im Theater an der Wien kein romantisches Seeufer, sondern ein verfallendes Hallenbad im 80er-Jahre-Charme. Kein Wunder, dass die vierte Schwester, die schöne Rusalka, hier wegwill.

Großer musikalischer Erzähler

Mit "Rusalka" schufen Antonin Dvorak und sein Librettist Jaroslav Kvapil die tschechische Ausformung des berühmten Märchens von der Seejungfrau - und behandeln darin existenzielle Themen wie die Loslösung vom Elternhaus, das Erwachen der Sexualität, Liebe, Kränkung und das Missverständnis zwischen den Geschlechtern. Dvorak erweist sich als großer musikalischer Erzähler, der mit seiner Instrumentationskunst die Figuren zum Leben erweckt und die Handlung vorantreibt.

Günther Groissböck (Wassermann), im Hintergrund: Ladislav Elgr, (Prinz), Maria Bengtsson (Rusalka) und der Arnold Schoenberg Chor

HERWIG PRAMMER

Besonders interessant seien darüber hinaus die Farben in der Musik, sagt der musikalische Leiter der Produktion, David Afkham: "Das ist nicht einfach eine dicke, schwere, romantische Oper, wie man vielleicht glauben würde, sondern es schimmern schon pastellartige Töne durch. Es geht in Richtung Klangmalerei, teilweise schon Impressionismus."

Den Wunsch, Mensch zu werden, um ihrem Traumprinzen zu begegnen, bezahlt Rusalka, dargestellt von Maria Bengtsson, unter anderem mit ihrer Stimme: Bald nach der berühmten Mondarie verstummt sie und kann den Erwartungen ihres Geliebten auch in körperlicher Hinsicht nicht gerecht werden.

Geschichte einer Selbstbefreiung

Die Energie der Musik nutzt Regisseurin Amelie Niermeyer auch für ihre Inszenierung. Zwar lässt sie das Märchen in einer profanen Umgebung spielen, greift in die Handlung und Figuren - wie etwa die Hexe Jezibaba, den Prinzen oder den Wassermann - aber wenig ein. Die Farbtöne des Wassers lässt Niermeyer in Videoprojektionen schimmern, ein herabsinkender riesiger Kronleuchter markiert den nahtlosen Übergang von der mythischen Wasserwelt zum irdischen Prunk des Königspalastes.

"Die beiden Welten sind eins und vermischen sich ständig in Rusalkas Kopf", so die Regisseurin. "Das Zwischenreich, das wird gewählt haben, macht ihre Getriebenheit deutlich. Und die märchenhaften Motive finden sich auch in unserer modernen Interpretation."

Maria Bengtsson (Rusalka), Ladislav Elgr (Prinz)

Maria Bengtsson (Rusalka) und Ladislav Elgr (Prinz)

HERWIG PRAMMER

Für Niermeyer erzählt "Rusalka" die Geschichte einer Selbstbefreiung. Einer anderen starken Frau widmet sich die Regisseurin übrigens kommenden Februar: Da wird sie an der Wiener Staatsoper Ludwig van Beethovens "Leonore", die Urfassung des Fidelio, auf die Bühne bringen.

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