RSO mit Marin Alsop

THERESA WEY

Opernhighlights des Monats

"Hoffmanns Erzählungen" aus der Wiener Staatsoper und "Rusalka" live aus dem Theater an der Wien mit dem RSO Wien.

Nach fünfjähriger Absenz vom Spielplan kehrt Anfang September, im Jahr des 200. Geburtstags des Komponisten, Jacques Offenbachs Oper "Les Contes d’Hoffmann" ins Repertoire der Wiener Staatsoper zurück: erstmals in der Produktion von 1993 mit einer Sopranistin - Olga Peretyatko - in den vier zentralen Frauenpartien.

"Les Contes d’Hoffmann" mit Olga Peretyatko

Die Geschichte dieser Oper reicht bis in das Jahr 1851 zurück. Damals war in Paris ein Theaterstück mit dem Titel "Les Contes d’Hoffmann" aufgeführt worden, ein Werk, das sich die besondere Liebe der Franzosen für den deutschen Dichter E. T. A. Hoffmann zunutze gemacht hatte: Die Autoren Jules Barbier und Michel Carré hatten ihre Themen aus einer Reihe von Novellen des "Gespenster-Hoffmann" gewonnen und diese dadurch verbunden, dass sie das literarische und musikalische Multitalent zur zentralen Gestalt des Stücks gemacht hatten.

Die Rahmenhandlung entnahmen sie Hoffmanns "Don Juan", aus dem Sandmann wurden die Ideen für den Olympiaakt entlehnt, aus "Abenteuer einer Sylvester-Nacht" stammen die Giulietta-Motive und aus "Rat Krespel" die Ereignisse des Antonia-Bildes. Was Offenbach dazu bewogen hat, 25 Jahre nach der Uraufführung des Theaterstücks auf dieses zurückzugreifen und eine große Oper nach dem Sujet zu planen, ist unbekannt. Der Komponist arbeitete ab 1876 bis zu seinem Tod mit großer Energie an seinem 102. Bühnenwerk; den Welterfolg der Oper hat er aber nicht mehr erlebt.

"Rusalka" mit dem RSO Wien

Im Theater an der Wien beginnt die Saison hingegen mit Antonin Dvoraks "Rusalka", mit dem Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung von David Afkham. Das tragische Los jener seelenlosen Wasserwesen, die ihr feuchtes Element verlassen haben, um die Liebe von Menschen zu gewinnen, hat als Sujet in allen Kulturländern immer wieder Dichter/innen und Musiker/innen zu künstlerischer Gestaltung angeregt.

Der tschechische Dichter Jaroslav Kvapil verfuhr bei der Abfassung seines Textbuchs zu "Rusalka" ähnlich wie Richard Wagner bei der Gestaltung von Sagenstoffen: Er dramatisierte nicht ein einziges Märchen, sondern baute seine Opernhandlung nach verschiedenen Quellen auf. In erster Linie liegt der Oper Hans Christian Andersens Märchen "Die kleine Seejungfrau" zugrunde, andere Elemente stammen aber auch aus dem altfranzösischen Sagenkreis um die schöne Melusine sowie aus Friedrich Fouqués "Undine".

Dvorak war nicht der Erste, der dieses Opernbuch zu Gesicht bekam, der Librettist hatte auch bei Josef Bohuslav Foerster und Josef Suk angefragt, dort aber wenig Interesse auslösen können. Antonin Dvorak hingegen hat sich sofort für dieses Sujet begeistert; zwischen April und November 1900 entstand die Komposition - übrigens die vorletzte Oper, die der Komponist geschrieben hat, nur eine "Armida"-Vertonung sollte noch folgen.

Gestaltung