Klaus Albrecht Schröder

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Klaus Albrecht Schröder - Albertina auf Expansionskurs

Er zählt zweifellos zu Österreichs bedeutendsten Museumsmanagern und wurde im März zum vierten Mal in seinem Amt bestätigt. Damit ist Klaus Albrecht Schröder der am längsten dienende Museumsdirektor Österreichs, was den "Falter" zu der etwas despektierlichen Bemerkung bewog: Es wäre am besten, wenn sich Klaus Albrecht Schröder der Albertina als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Im "Journal zu Gast" spricht er über den europäischen Wertekanon, die neue Albertina-Dependance im Künstlerhaus und umstrittene Schenkungen. Warum sollte sich ein österreichischer Politiker die Albrecht-Dürer-Ausstellung ansehen? Was kann man von Dürer über den europäischen Wertekanon lernen?

Im Journal zu Gast | 28 09 2019

Christine Scheucher

Seit 1999 leitet der Kunsthistoriker Klaus Albrecht Schröder die Geschicke der Albertina, die sich unter seiner Ägide von einer bedeutenden Grafiksammlung zu einem modernen Museum für Malerei und Grafik entwickelt hat. "Wir betrachten die Zeichnung nicht als elitäres Programm für eine Minderheit", sagt Schröder "Wir haben Zeichnungen und Grafiken von Anfang an im Dialog mit Malerei und Skulptur gezeigt." Dieses Konzept des umtriebigen Museumsdirektors ist aufgegangen: Zu Beginn der Ära Schröder im Jahr 2000 zählte die Albertina 15.700 Besucherinnen. 2018 besuchte eine Million Menschen die Ausstellungen des Hauses.

Wir betrachten die Zeichnung nicht als elitäres Programm für eine Minderheit.

Schröders Erfolg fußt unter anderem auf seinem Geschick, Dauerleihgaben und Schenkungen für das Haus zu akquirieren. Zuletzt gingen 1.323 Kunstwerke der Sammlung Essl als Schenkung an die Albertina. Diesen Sommer verkündete Schröder, dass 400 Werke aus der Sammlung des ehemaligen Kölner Galeristen Rafael Jablonka als Stiftung an die Albertina gehen. Unumstritten sind diese Zuwächse für das Haus freilich nicht. Denn die Gretchenfrage, die sich der Museumsdirektor, die Museumsdirektorin unserer Zeit gefallen lassen muss, lautet: Wie hältst du es mit der Dauerleihgabe?

Bildnis eines Afrikaners 1508

Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Bildnis eines Afrikaners 1508, schwarze Kreide

Wie hältst du es mit der Dauerleihgabe?

Da die Preise am Kunstmarkt zu hoch sind, ist es für öffentliche Museum praktisch unmöglich, Sammlungsbestände über das Budget zu erweitern. Um Lücken in ihren Sammlungen zu schließen sind öffentliche Institutionen auf Dauerleihgaben und Schenkungen von Privaten angewiesen. Doch auch Dauerleihgaben und Schenkungen sind mit enormen Kosten verbunden, da Werke gelagert, restauriert und Instand gehalten werden müssen. Diese Kosten trägt der Steuerzahler, die Steuerzahlerin.

Allein im Jahr 2018 sind etwa für die Sammlung Essl vom Bund 800.000 Euro geflossen. Bei Dauerleihgaben stellt sich zudem die Frage, ob eine Sammlung von Privaten tatsächlich auf lange Sicht im Museum verbleibt. Denn obwohl es sich um staatlich finanzierte Museen handelt, bleiben die Verträge mit den privaten Stiftern streng geheim. Selbst wenn Dauerleihgaben nicht für alle Zeiten im Besitz eines Museums bleiben, entgegnet Klaus Albrecht Schröder, spreche dies per se nicht gegen das Modell der Dauerleihgabe. "So wie die Scheidung nicht gegen das Institut der Ehe spricht, so spricht auch der Verlust einer Dauerleihgabe nicht gegen die Bereicherung, die man in der Zeit hat, in der bestimmte Werke in einem Museum gezeigt werden können", argumentiert Klaus Albrecht Schröder.

Albertina Modern im Künstlerhaus

Der nächste Coup des umtriebigen Museumsdirektors steht bereits im März 2020 bevor: Dann nämlich eröffnet die Albertina-Dependance im Künstlerhaus, das aktuell mit Mitteln des Industriellen Hans Peter Haselsteiner generalsaniert wird. Eröffnet wird die Albertina modern am 12. März mit der Ausstellung "Stunde null nach 1945". Auf 2.500qm Ausstellungsfläche werden unter anderem Highlights der Sammlung Essl gezeigt. "Wir wollen in Wien ein neues Museum für moderne Kunst etablieren, das die Kunst nach 1945 auf eine Weise zeigt wie kein anderes Museum", sagt Schröder.

Künstlerhaus

APA/HERBERT NEUBAUER

Wir wollen in Wien ein neues Museum für moderne Kunst etablieren.

Seit vergangener Woche ist in der Albertina eine großen Albrecht-Dürer-Schau zu sehen, die wohl zum Publikumsmagneten des diesjährigen Ausstellungsherbstes wird. Das Haus selbst verfügt über die weltweit größte und bedeutendste Sammlung grafischer Arbeiten des deutschen Meisters: darunter der berühmte Feldhase und die betenden Hände.

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Mittagsjournal | 19 09 2019

Gernot Zimmermann

Ergänzt wird die Schau mit Leihgaben aus bedeutenden Museen wie dem Prado. Die letzte große Dürer-Schau fand 2003 anlässlich der Wiedereröffnung der Albertina statt und zählte damals eine halbe Million Besucherinnen.

Warum sollte sich ein österreichischer Politiker zum Beispiel die Albrecht-Dürer-Ausstellung ansehen? Was kann man da lernen über den europäischen Wertekanon?

"Albrecht Dürer ist geradezu vorbildhaft für eine Haltung des Humanismus, die da lautet: vorurteilsfrei, unvoreingenommen die Wirklichkeit zu sehen. Ob er einen einfachen Feldhasen zeigt oder einen Schwarzen, der ihm vielleicht in den Straßen von Augsburg begegnet sein mag - nie ist da irgendein rassistisches Vorurteil, eine Karikatur. Wenn man vorurteilsfrei die Wirklichkeit beobachtet und beachtet, dann ist schon viel in unserem Urteil über die Welt gewonnen. Da ist Dürer ein Lehrmeister."

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