Joaquin Phoenix als Joker

WARNER BROS.

"Joker" - Prämierter Thriller

Der Joker ist der bekannteste Widersacher von Batman, und dennoch ist über den Mann mit dem weißen Gesicht, den grünen Haaren und dem breiten Grinsen vergleichsweise wenig bekannt. Diesem Manko versucht nun der Film "Joker" entgegen zu wirken. Bei den Filmfestspielen in Venedig hat dieses Thriller-Drama 2019 den Goldenen Löwen erhalten.

Morgenjournal | 07 10 2019

Arnold Schnötzinger

"Liegt es nur an mir, oder wird die Welt da draußen immer verrückter?" Die Frage nach dem Wahnsinn, nach seinen Ursachen beschäftigt Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) von Anfang an. In Gotham City macht sich Arthur - Berufswunsch ausgerechnet Comedian - auf die Suche nach der Wechselbeziehung zwischen Individuum und Gesellschaft.

Minutiös arbeitet der Film Arthurs Leidensweg ab: Von Jugendlichen auf der Straße wird er verprügelt, von seinen Kollegen gehänselt, von seinem Boss ungerecht behandelt und gefeuert, von seiner Mutter über die familiäre Herkunft getäuscht, schließlich von drei Wall-Street-Typen in der U-Bahn tätlich angegriffen.

Nachvollziehbarer Werdegang

War der Joker in der Populärgeschichte bislang die personifizierte Bösartigkeit per se, also weitgehend ohne Erklärungen und Geschichte, so liefert Regisseur Todd Phillips erstmals einen nachvollziehbaren Werdegang dieser Figur ab und damit einen nachhaltigen Lückenschluss in der Filmgeschichte. "Wir hatten dabei jede Menge Freiheit, denn auch in den Comic-Vorlagen findet sich kaum etwas zur Vergangenheit des Jokers", meint Regisseur Todd Phillips.

Sensible Seele

Arthur alias Joker leidet nicht nur an einer zwanghaften Lachstörung, sondern auch an den Verhältnissen einer korrupten und moralisch verfaulten Großstadt. Seine sensible Seele kommt mit der Ruppigkeit, mit dem Zynismus der Menschen nicht zurecht, mit der Verrohung der Gesellschaft. Denn in Wirklichkeit sucht auch Arthur nur Glück, Liebe und Geborgenheit.

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Arnold Schnötzinger

Irritierende Körpersprache

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit verdichtet der Film Arthurs inneres Chaos, sein Ringen mit sich, fiebrig und schüchtern zugleich in der Körpersprache. Zerhacktes Licht, pulsierende Soundkulisse einer niemals ruhenden Stadt, schmutzig und räudig, so als würde im nächsten Bild Martin Scorseses Taxi Driver um die Ecke biegen, alles weit entfernt von den Hochglanz-Superhelden-Spektakeln der Gegenwart.

Kein Licht am Ende des Tunnels

Im Verbrechen findet der Joker seine Komödie, also seine Katharsis, Gewalt quasi als Notwehr gegen das Unbehagen an der Kultur. Hier sucht eine gepeinigte Kreatur einen Ausweg und nirgendwo steht, dass Licht am Ende des Tunnels sein muss. Für diesen Joker steckt in der Dunkelheit das Licht.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

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