Darstellerinnen in bunten Kleidern auf der Bühne in Kostümen, petrolfarbene Rückwand

RITA NEWMAN

Einen Jux will er sich machen

Im Theater in der Josefstadt hat am Donnerstag Nestroys Komödie "Einen Jux will er sich machen" Premiere. Der Schweizer Regisseur Stephan Müller inszeniert zum ersten Mal ein Nestroy-Stück. In die Rolle des Handlungsgehilfen Weinberl gibt Johannes Krisch sein sein Josefstadt-Debüt.

"Ich habe Nestroy immer als bizarren fernen Bastard wahrgenommen - und ich hab' es jetzt einmal versucht mit dem wunderlichen Herrn." Stephan Müller

Mittagsjournal | 09 10 2019

Katharina Menhofer

Es ist die erste Begegnung des Schweizer Regisseurs Stephan Müller mit dem wunderlichen Herrn Nestroy. Über die Schauspieler habe er einen Zugang zu dessen Sprache gefunden. Gut gebaute Szenen, wunderbare Dialoge, jeder Satz eine Bedeutung und jeder Schmäh ein Treffer. Wie ein Ethnologe und Wissenschaftler habe er sich Nestroy genähert, so Müller.

"Natürlich gewisse Aussprachen und Lautführungen der Worte bleiben mir fremd - es gibt Worte, die sind mir komplett fremd." Den Ausdruck "Simandl" habe er noch nie gehört. Inhaltlich interessiere ihn Nestroy als Frühmarxist - gerade im Jux, wo der Handlungsgehilfe Weinberl zum Associé aufsteigt und der Satz fällt:

Der Diener ist Sklave des Herrn, und der Herr ist Sklave des Geschäfts.

"Das ist wie eine marxistische Formel. Und wenn man das Stück genau anschaut, sieht man: Es geht immer um das Verhältnis zwischen Individuum und Ökonomie - und diese Skepsis, die der Weinberl hat, gegenüber diesem Aufstieg, das ist sehr raffiniert von dem Herrn Nestroy", sagt der Regisseur Müller.

Johannes Krisch spielt in seiner ersten Rolle an der Josefstadt, den Weinberl, der einmal ein verfluchter Kerl sein möchte und in Bedrängnis gerät. Die aktuellen Couplets von Thomas Arzt verhandeln Themen wie Klimawandel, MeToo-Bewegung, Prekariat oder Rechtsruck.

... rechte Hand in die Höh … na des is a verruckte Idee …

Johannes Krisch

Johannes Krisch gibt als Handlungsgehilfe Weinberl, der zum Associé aufsteigt, gibt nach 30 Jahren Burgtheater sein Josefstadt-Debüt.

RITA NEWMAN

Kulturjournal | 09 10 2019 | Johannes Krisch im Gespräch

Katharina Menhofer

Die schrill-bunte Biedermeierüberhöhung, die die Kostüme und das Bühnenbild prägt - visualisiere die aktuelle Hysterisierbarkeit unserer Zeit, so Stephan Müller. "Sehr schnell entgleist man heute und ist schnell in einer Aggresivität und ist schnell in der Verfluchung und Verdammung von anderen. Deswegen gibt es eine solche Zunahme an Gewalttaten."

Müllers "einmalige" Expedition

Seine nächsten Projekte führen den Regisseur in ganz anderes Terrain: ein Theaterprojekt über Joseph Beuss für die documenta Kassel etwa oder eines über Mao Zedong für China sind in Planung. Einen Nestroy will er nie wieder inszenieren, das sei eine einmalige Expedition gewesen.

"Das ist eine der schwierigsten Arbeiten, die ich je gemacht habe, obwohl ich schon monströse Projekte gemacht habe. Aber Nestroy in eine Leichtigkeit, Schärfe und in einen musikalischen Rhythmus zu bekommen - das ist unglaubliche Arbeit", so Müller. Die Früchte dieser Arbeit darf das Publikum ab Donnerstag im Theater in der Josefstadt ernten.

Service

"Einen Jux will er sich machen" von Johann Nestroy hat am Donnerstag, den 10. Oktober im Theater in der Josefstadt Premiere.

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