Angelika Kauffmann, Modello für das Gruppenbild der königlichen Familie von Neapel, 1782/83

THE PRINCELY COLLECTIONS/VADUZ-VIENNA

"Family Matters" im Dom Museum

Dem Thema Familie widmet das Dom Museum Wien eine aktuelle Ausstellung. Zu sehen sind vielfältige Familienkonstellationen vom Mittelalter bis heute, die zeigen, dass es so etwas wie die "heile Kernfamilie" kaum je gegeben hat. Das veranschaulichen Kunstwerke von Künstlern wie Tintoretto, Angelika Kaufmann, Käthe Kollwitz sowie viele zeitgenössische Positionen.

Eine "Familie" ist im Dom Museum jede Konstellation, die sich als solche begreift: Eine Fotoserie von Katharina Mayer zeigt ein distinguiertes Sammlerehepaar mit seinen Stofftieren am Sofa als Familie; eine Roma-Sippschaft, die aus elf Frauen besteht, auf einem Brunnen; eine jüdisch-orthodoxe Familie drapiert rund um das heilige Buch oder ein weißes Ehepaar mit vier adoptierten afrikanischen Kindern.

Dem Ideal entsprach auch die "heilige Familie" nicht

Johanna Schwanberg, die Leiterin des Dom Museums sagt, auch die heilige Familie habe ja nie dem gängigen Familienideal entsprochen: "Josef war der soziale und nicht der leibliche Vater, und die Abstammung des Jesuskindes ist für viele Menschen bis heute ungeklärt. Das heißt, in der Bibel gab es das Bild der 'heilen Familie', wie es später propagiert wurde, eigentlich von Anfang an nicht."

Sehr berührend in dieser Schau ist die Statue einer Steinmadonna mit Kind aus dem Jahr 1320, die der Skulptur einer ebenso großen alten Frau mit Säugling am Arm von Sam Jinks gegenübersteht. Die alte Frau mit weißem Echthaar wirkt so real, dass sie lebendig zu sein scheint, und verweist auf Themen wie Reproduktionstechnologie oder Geburt und Tod.

Schattenseiten nicht ausgelassen

Was in dieser Schau nicht ausgelassen wird: die brutale Kehrseite der Familie, wie sie Maria Lassnig auf einem Gemälde darstellt, das ihren Vater zeigt, wie er sie und ihre Mutter mit dem Motorrad überfährt. Auf dem Gemälde "Obsorge" zeigt Lassnig, wie Vater und Mutter im Streit ihr Kind auseinanderreißen.

Erheiternd ist, wie diese Schattenseiten in der Biedermeierzeit dargestellt wurden: So zeigt Danhauser einen Vater, einen Kunstmaler, der vor seiner Staffelei eingeschlafen ist. Seine kleinen Kinder malen - wohl zu seinem Entsetzen - das Bild fertig.

Porträt eines Edelmannes mit seinem Sohn

THE PRINCELY COLLECTIONS/VADUZ-VIENNA

Porträt eines Edelmannes mit seinem Sohn

Prägungen durch die Herkunft

Wie immer man es mit der Familie hält, ob man sich dafür oder dagegen entscheidet: Jeder Mensch hat eine Herkunftsfamilie. Gegen die lehnt man sich entweder auf oder man sehnt sich nach ihr, falls man keine hatte. "Der Maler Neo Rauch verlor seine beiden Eltern bei einem Unfall im Kleinkindalter", erzählt Johanna Schwanberg. "Sein Leben lang setzte er sich mit der Beziehung zu seinen Eltern - besonders der Beziehung zu seinem Vater, der auch Maler war - in seinen Gemälden auseinander. Auf einem der Bilder imaginiert Rauch seinen Vater in jungen Jahren, der ihn als etwa 50-jährigen ausgewachsenen Mann wie einen Säugling im Arm hält. Die Figuren erinnern in ihrer Körperhaltung an eine Pietà."

Liebevolle Väterdarstellungen - selten in der Kunstgeschichte

Beeindruckend sind die Väterdarstellungen in dieser Schau - die in der Kunstgeschichte selten zu finden sind: ein Josef, der das Jesuskind zärtlich am Arm hält oder das "Porträt eines Edelmannes mit seinem Sohn" von Tinoretto aus dem 16. Jahrhundert, auf dem man sehen kann, wie ein Vater seinem Sohn stolz den Arm um die Schultern legt.

Johanna Schwanberg ist einmal mehr eine unbedingt sehenswerte Ausstellung im Dommuseum geglückt.

Service

Dom Museum Wien - "Family Matters" bis 30. August 2020

Gestaltung

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