Der Schatten eines Kindes

AFP/JACK GUEZ

Prix Europa für "Ö1 Hörspiel"

Beim wichtigsten europäischen Medienfestival, dem 1987 vom Europäischen Parlament und der EU-Kommission ins Leben gerufenen Prix Europa, gewann in der Kategorie Radio Fiction der österreichische Beitrag: das Ö1 Hörspiel "Höllenkinder".

Das Hörspiel der österreichischen Autorin Gabriele Kögl ist ein großer innerer Monolog, der einer alten Frau die Stimme gibt, die ihr nie zugestanden wurde. Selbst an ihrem 80. Geburtstag wird die mittlerweile gebrechlich gewordene Bäuerin nicht von den Fragen ihrer Tochter verschont. Ist die Wahrheit den Kindern zumutbar? Kann man eine Geschichte erzählen, die man jahrzehntelang verschwiegen hat?

"Das diesjährige Gewinnerstück ist kein leichtes" - aus der Jurybegründung

"Sie will Dinge von mir wissen", sagt die Protagonistin dieses Monologs, gesprochen von Gudrun Ritter, "die sie nichts angehen und die ihr Leben nicht einfacher machen würden. ... Sie will alte Geschichten aus mir herausholen, sie will mein Leben aufschneiden und zerlegen, wie man ein Stück Vieh schlachtet und zerlegt und abpackt und in die Gefriertruhe legt, damit man jeden Tag etwas herausholen kann, wenn man kochen geht".

Regie bei dieser Ö1 Produktion des Jahres 2018 führte Elisabeth Weilenmann, die Musik stammt von Fatima Dunn, Tongestaltung hatten Jean-Boris Szymczak und Martin Leitner inne.

Die Jurybegründung: "Das diesjährige Gewinnerstück ist kein leichtes. Auf den ersten Blick mag es einfach wirken: Eine Frau erzählt ihr Leben als einen großen, inneren Monolog. Aber die Erzählung nimmt völlig unvorhersehbare Wendungen. Die Frau hat so viele Grausamkeiten erlebt, dass es einem den Atem raubt. Man kann sich beim Hören der Wahrheit, die sich auftut, nicht entziehen: es ist eine Geschichte über Inzest und sexuellen Missbrauch, ein ganzes Leben lang verschwiegen. Die Kinder verlangen nach ihrem Recht zu erfahren, woher sie kommen. Aber ist es tatsächlich ihr Recht? Ein Meisterstück einer Einpersonenerzählung, eine rücksichtslose Rückschau, die uns zur Frage führt, ob es wirklich immer besser ist, die Wahrheit zu kennen."