Frau schreibt Radiokolleg, Kalligrafie

ORF/MIRELA JASIC

Über das Schreiben

In den letzten Jahren war medial immer wieder die Rede vom langsamen Verschwinden der Handschrift aufgrund des digitalen Wandels. Gleichzeitig haben dank Laptop, Smartphone und Co. mehr Menschen als je zuvor Zugang zum Schreiben. Tatsache ist, dass das Schreiben viele Facetten in sich trägt.

"Der Zustand des Schreibenden teilt sich dem wahren Leser sogleich völlig mit." Johann Wolfgang von Goethe

Eine solche wäre zum Beispiel die Graphologie. Dabei handelt es sich (wörtlich übersetzt) um die Lehre vom Schreiben, die Lehre von der Handschrift. Sie bedient sich der Tatsache, dass beim Schreiben eine "fixierte Bewegungsspur" als Ausdruck eines unbewussten Antriebs entsteht.

Die Entwicklung der Handschrift eines Menschen verläuft parallel zur Entwicklung seiner Persönlichkeit. Die Handschrift ist wie ein Fingerabdruck, ein Spiegel unserer Persönlichkeit. Sie gibt Graphologen Einblick in den Wesenskern eines Menschen und lässt u.a. Aussagen über Energiepotential, Stabilität oder Intellekt eines Menschen zu. Alter und Geschlecht einer Person können allerdings nicht bestimmt werden.

Tinte, Feder, Papier, Schreiber und Handhaltung, Druck und Federdrehung beeinflussen das Ergebnis eines Schriftstückes.

Die Schildermalerei war früher ein gefragtes Handwerk. Alleine in Wien gab es um das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert herum rund 250 Schildermaler. Eine dieser ehemaligen Schildermaler-Werkstätten befindet sich in der Mühlgasse in Wien und ist heute Europas einziges Schildermaler-Museum. Vier Generationen an Schildermalern haben hier gearbeitet. Zuletzt Josef Samuel, der das Handwerk bereits als kleiner Bub von seinem Vater und seinem Großvater gelernt hat.

  • SCHILDERMALER MUSEUM

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61 Jahre lang war Josef Samuel als Schildermaler tätig, 2003 ging er als letzter seiner Zunft in Pension. Seine Arbeiten sind nach wie vor in Wien zu finden: Sie zieren unter anderem Kaffeehäuser und Apotheken. Josef Samuel beschäftigt sich auch mit einem aktuellen Trend, dem Handlettering. So wie beim Schildermalen wird auch beim Handlettering eine Botschaft mit dem Schriftbild kommuniziert.

Allerdings scheiden sich die Geister, was eine allgemeingültige Definition von "Handlettering" betrifft. Für manche ist es sogar eine moderne Form der Kunst des schönen Schreibens, also der Kalligrafie.

Kalligraphie entsteht aus der Geste der Hand. Sie ist Rhythmus, Musik und Meditation.

Kalligraphie spielte übrigens auch eine große Rolle im Leben des 2011 verstorbenen Computerpioniers Steve Jobs. Dieser besuchte während seiner College-Zeit einen Kalligraphie-Kurs und erzählte Jahre später, dass dieser ihn maßgeblich geprägt hat, was die Gestaltung der Schrifttypen auf seinen Computern betrifft.

Schreiben mit vorproduzierten Buchstaben, das ist eine Definition für Typografie. In der Typografie gibt es unzählige Schriftarten und -klassifikationen. So wird zum Beispiel zwischen Sans Serifen (z.B. "Arial") und Serifen (z.B. "Times New Roman") unterschieden.

"Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen". Mark Twain

Viele Menschen leiden unter Schreibhemmungen. Sei es, weil sie nie richtig Schreiben und Lesen gelernt haben, oder weil sie sich aufgrund übersteigerter Ansprüche zu viel Druck machen. Dabei kann die Fähigkeit zu Schreiben unglaublich Spaß machen, das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten leichter von der Hand gehen lassen, oder heilsam sein, wenn es darum geht, Gefühle zu verarbeiten.

Auch das Bedürfnis, einen Roman zu schreiben, scheint in vielen Menschen zu schlummern. Weshalb es auch zahlreiche Ratgeber und Lehrgänge gibt, die Interessierten einen Zugang zum Schreiben vermitteln wollen.

Service

Views in 2 literacies
Schildermaler Museum
Symposium "Typografischen Gesellschaft Austria"
Vienna Calligraphy Center
Basisbildungskurse der Wiener Volkshochschulen
Beratungs- und Frauenservicestelle - "Orient Express"
Writers´Studio
Leondinger Akademie für Literatur