Roland Düringer

ANDREA SOJKA

Düringers neues Programm "Africa Twinis"

Schauspieler, Kabarettist, Aussteiger und zuletzt politischer Aktivist: Roland Düringer hat schon einige Brüche vollzogen. Einem neuen Format und einem - vordergründig - vertrauten Thema, dem Motorsport, widmet er sich in seinem neuen Programm "Africa Twinis". Premiere ist am Dienstag im Wiener Stadtsaal.

Um gleich einmal mit einem Irrtum aufzuräumen: Nein, "Africa Twinis" sei keine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln, zumindest, wenn damit die thematische Verwandtschaft zu den "Benzinbrüdern" gemeint ist.

"Benzinbrüder ist keine Wurzel. Meine Wurzel ist Theater", sagt Düringer. "Ich hab' mit dem Herwig Seeböck im Sieveringer Steinbruch Shakespeare gespielt. Das sind meine wirklichen Wurzeln. Ich bin Schauspieler und spiel Geschichten."

Von Engelbrechts nach Dakar

Und als Schauspieler, der Geschichten spielt, kann man Düringer auch hier erleben. Ging es in "Benzinbrüder" um eine Gemeinschaft, die sich einer Sache - dem Golf GTI - verschworen hat, stehen in "Africa Twinis" zwei alte Freunde aus dem Waldviertel im Mittelpunkt: der eine ein Weltenbummler und Improvisationskünstler, der andere ein frühpensionierter Bankbeamter, der sich nie von seinem Heimatdorf und seiner Mutter abnabeln konnte.

Am gemeinsamen Vorhaben, mit dem Motorrad von Engelbrechts im Waldviertel nach Dakar zu fahren, sind Engelbert und Alois vor dreißig Jahren mit ihren beiden Zweitaktmotoren schon früh, im Horner Wald, gescheitert. Doch jetzt soll es klappen: Perfekt ausgestattet, organisiert und in voller Mannesblüte, machen sich die beiden daran, ihren Traum aus Jugendtagen doch noch zu erfüllen.

Um in diese Geschichte einzutauchen, müsse man weder etwas von Motorrädern noch von der Rallye Paris-Dakar verstehen, sagt Roland Düringer. "Es geht darum, dass man einen Traum hat, ein bestimmtes Leben leben möchte. Und dann gibt es etwas, das einen daran hindert. In der Regel sind das Sachzwänge. Aber es ist die Gesellschaft, die einem sagt: Das macht man nicht, das gehört sich nicht."

Live-Hörspiel

Mithilfe seiner Erzählkunst und zahlreichen Geräuscheinspielungen wie knatternder Motorräder und tickenden Wanduhren breitet Roland Düringer die Geschichte auf der fast leeren Bühne aus, als lauschte man einem Hörspiel. Auch inhaltlich ist das ein Bruch mit dem Düringer von zuletzt, der mit eigener Partei und dem Soloprogramm "Der Kanzler" noch gegen das polit-mediale System angeritten ist.

"Ich hab' mich jetzt wirklich 20 Jahre mit solchen Themen beschäftigt", so Düringer. "Irgendwann muss man sagen: Das war’s jetzt, danke, viel Spaß auf eurer Reise!"

Und auch aus künstlerischer Sicht könnte sich dieser Neustart des Schauspielers und Erzählkünstlers Roland Düringer als dankbares Unterfangen erweisen.

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