Maria Lassnig

DPA/OLIVER BERG

Radiokolleg, 12. November 2019

Positionen in der Kunst: Maria Lassnig

In gewisser Weise war Maria Lassnig eine europäische Gegenfigur zu Louise Bourgeois: eine eigenständige, eigenwillige Künstlerin, die auf eine jahrzehntelange Karriere zurückblicken konnte und trotzdem erst jenseits der 60 vollends in ihrer Bedeutung erkannt wurde.

Eine schöpferische Kraft, die ihre Außenseiterposition nutzte, um den Fallen der Tagesmoden zu entgehen und in ihrer Verbundenheit mit dem vermeintlich Unzeitgemäßen eine überzeitliche Qualität zu erreichen. Der späte Ruhm kam unverhofft, dafür aber umso überwältigender und umfasste Präsentationen von Lassnigs Werk bei der Biennale in Venedig, im New Yorker MoMa und mehrmals bei der documenta. Die 1919 in Kärnten geborene Künstlerin hatte sich in den 1950er-Jahren bei den Abstrakten angesiedelt, die ästhetischen Möglichkeiten von Écriture automatique, Informel und Tachismus getestet und sich bald auch den sogenannten Motivkosmos der sogenannten "Körperbewusstseinsquaraelle" erschlossen, in denen Angst, Schrecken und Depression mit, wie es die Künstlerin formulierte "Schmerzfarben, Krebsangstfarben, Wärmefarben" thematisiert wurden. 1968 wanderte sie nach New York aus, wo ihre Arbeit von vielen als "strange" und morbid abgelehnt wurde.

Thomas Mießgang

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