Mariss Jansons

BR/MEISEL

Stardirigent Mariss Jansons gestorben

Mariss Jansons ist tot. Der lettische Stardirigent verstarb im Alter von 76 Jahren, wie die Wiener Philharmoniker am Sonntag bestätigten. Jansons gehörte zu den wichtigsten Dirigenten seiner Generation und stand mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Concertgebouw Orchester in Amsterdam in seiner langen Karriere zwei der renommiertesten Klangkörper der Welt vor.

Nachruf auf Mariss Jansons

Susanna Dal Monte

Schweigeminute im Musikverein

Auch mit den Wiener Philharmonikern war die Bindung des am 14. Jänner 1943 in Riga geborenen Maestros eng, dirigierte Jansons doch gleich drei Mal - 2006, 2012 und 2016 - das Neujahrskonzert im Musikverein. Einen letzten großen Triumph feierte man gemeinsam im Vorjahr bei den Salzburger Festspielen mit Peter Tschaikowskys "Pique Dame". Seine letzten geplanten Auftritte am Pult des Wiener Spitzenorchesters hatte Jansons aus Gesundheitsgründen aber bereits absagen müssen.

Ö1 übertrug die Matinee am Sonntagvormittag live, die Jansons noch hätte dirigieren sollen. Philharmonikervorstand Daniel Froschauer informierte das Konzertpublikum am Beginn vom Ableben Mariss Jansons' und bat mit Dirigitent Jakub Hrusa, der für Jansons übernommen hatte, und den Wiener Philharmonikern um eine Schweigeminute für das Ehrenmitglied des Orchesters.

Ein uneitler Künstler

Mit gesundheitlichen Problemen hatte der lettische Stardirigent schon länger zu kämpfen, was den Letten jedoch lange nicht davon abhielt, stets möglichst schnell wieder an das Pult der renommiertesten Orchester der Welt zurückzukehren. Dazu liebte er die Musik zu sehr und das Publikum ihn.

Jansons gehörte zu den renommiertesten Dirigenten seiner Generation. Allerdings stach er in der unscharfen Kategorie der "Stardirigenten" als einer der wenigen heraus, der praktisch keinerlei Starallüren hatte. Wie einst Claudio Abbado gehörte er zu den wenigen Pultregenten, die menschlich praktisch keinerlei Feinde zu haben schienen. Wenn man dem Musikliebhaber Jansons einen Fehler zuschreiben konnte, dann, dass er stets für seine Berufung brannte, auch wenn dies letztlich auf Kosten der Gesundheit ging.

Ausbildung in Österreich

Die Arbeit am Pult der großen Orchester stand für den am 14. Jänner 1943 als Sohn des Dirigenten Arvid Jansons in Riga geborenen Maestro schlicht über allem. Er studierte mit Auszeichnung Violine, Klavier und Dirigieren am Konservatorium Leningrad. 1969 setzte er seine Ausbildung in Wien bei Hans Swarowsky und in Salzburg bei Herbert von Karajan fort. Zwei Jahre später siegte er im internationalen Herbert-von-Karajan-Wettbewerb in Berlin.

In der Sowjetunion musste ich viel kämpfen, bis ich bestätigen konnte, dass ich nicht der Sohn von Arvid Jansons, sondern, dass ich Mariss Jansons bin.

Rasante Karriere

1973 wurde er Assistent von Jevgeni Mravinsky bei den St. Petersburger Philharmonikern, deren Chefdirigent er 1985 wurde. Er war 1979 bis 2000 Musikdirektor des Philharmonischen Orchesters in Oslo, das unter ihm eine viel beachtete Entwicklung nahm. Bereits 1996 erlitt er während eines "Boheme"-Dirigates in Oslo einen Herzinfarkt, kurz darauf im Spital einen zweiten. Eine siebenmonatige Zwangspause folgte, doch die Aufgaben, die er danach annahm, wurden nicht weniger.

Das zweite Leben des Mariss Jansons

1997 bis 2004 war er in den USA musikalischer Direktor beim Pittsburgh Symphony Orchestra. 2003 folgte Jansons Lorin Maazel als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks nach - eine Position, für die sein Vertrag noch bis 2021 gelaufen wäre. In München etablierte er sich als nimmermüder - und letztlich erfolgreicher - Kämpfer für einen neuen Konzertsaal.

Mariss Jansons

APA/HERBERT NEUBAUER

Mariss Jansons beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Jahr 2016

Zudem leitete der Maestro seit 2004 das Königliche Concertgebouw Orchester in Amsterdam und stand damit zwei der besten Klangkörper der Welt vor, wobei er in Amsterdam 2015 aus dem Amt schied. Als überaus gefragter Gastdirigent hat er in den vergangenen Jahren mit praktisch allen bedeutenden Orchestern der Welt zusammengearbeitet.

Jansons und Wien

Dazu gehörten nicht zuletzt die Wiener Philharmoniker, deren Neujahrskonzert Jansons 2006, 2012 und zuletzt 2016 leitete. Einen letzten großen Triumph feierte der Lette mit den Wienern im Vorjahr bei den Salzburger Festspielen, als er Peter Tschaikowskys "Pique Dame" bei den Festspielen dirigierte - ein weiteres seiner Leib-und-Magen-Stücke.

Zahlreiche Ehrungen

Nicht nur vom Publikum, auch von den Entscheidungsträgern wurde der stets konziliante, selbstironische Dirigent geliebt. Zu seinen Ehrungen zählten der Rang eines Kommandanten mit Stern des Königlichen Norwegischen Verdienstordens, die höchste Auszeichnung, die Norwegen an Ausländer zu vergeben hat, die Ehrenmitgliedschaft der Royal Academy of Music in London sowie der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 2009 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und im Jahr darauf den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.

2017 wurde ihm die renommierte Goldmedaille der britischen Royal Philharmonic Society zugesprochen und im Vorjahr die Ehrenmitgliedschaft bei den Berliner und wenige Monate später auch bei den Wiener Philharmonikern. Im gleichen Jahr folgte die Festspielnadel der Salzburger Festspiele, die gleichsam einer Ehrenmitgliedschaft des Festivals entspricht. Die vielleicht ungewöhnlichste Auszeichnung wurde Jansons aber anlässlich seines 75. Geburtstages im Vorjahr zuteil: Eine von zwei Züchtern aus Lettland und den Niederlanden erschaffene Tulpe wurde nach ihm benannt.

Ö1 Programmänderungen

Samstag, 07. Dezember 2019 - 15:05 Uhr
Apropos Klassik

Sonntag, 08. Dezember 2019 - 11:03 Uhr
Matinee

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