Rainer Elstner und Astrid Schwarz

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Das Pop-Jahr 2019

2019 war nach einer Zeit bester Wetterverhältnisse ein Jahr der Ernte am Feld der heimischen Popmusik. Wir können in unserer Sendung nur einen kleinen Ausschnitt des kreativen Stroms senden - ergänzend seien hier noch einige weitere Namen erwähnt.

Wie die Jahre zuvor haben wieder neue, überraschende Formationen zusammengefunden. Etwa das Quartett My Ugly Clementine: Vier szenebekannte Musikerinnen, die unter dem Regiment von Sophie Lindinger deren Songs interpretieren. Sie selbst führt Regie, überlässt aber das Singen durchwegs den anderen.

Bei Ankathie Koi manifestieren sich die Schulterpolster und der 80er Discosound auch auf ihrem zweiten Album "Prominent Libido". Darauf stellt sie ihre Songschreiberinnenqualitäten unter Beweis und verpflanzt auch ihren Sound aus der tanzbaren Discoecke in ruhigere Gefilde. Bei ihren Live- Auftritten ist das Energiebündel nicht zu stoppen.

Ebenso groß ist die Stimme der österreichischen R'n'B-Sängerin Lylit, die auf ihrem Album "Inward Outward" ihrer inneren Stimme folgt, sich von Altlasten befreit und zudem endlich wieder frei von Zwängen produzieren kann. Drei Jahre lang war sie aufgrund eines Vertrages mit einer Plattenfirma in den USA, die Pleite ging, zur publizistischen Untätigkeit verdammt.

Lou Asril ist eine junge R'n'B-Stimme aus Niederösterreich. Mit 17 Jahren war Asril Gewinner des Joe Zawinul Award. Nach seinem Schulabschluss hat er nun die Bühnen erobert. Schon wesentlich länger im Geschäft ist die oberösterreichische Band Bilderbuch, zweimal haben sie heuer ausverkaufte Konzerte in Schönbrunn gegeben und wieder eine Platte veröffentlicht, mit expliziten Statements für ein starkes Europa.

Politisch - wenngleich ungeplant - ist das Album von Voodoo Jürgens ausgefallen, der mit dem Konzeptalbum "S'klane Glücksspiel" thematisch am Puls der Zeit liegt. Besonders für die österreichische Hip-Hop-Szene hat das Jahr einiges an neuen Stimmen und Gesichter gebracht. Hunney Pimp hat sich auf ihrem zweiten Album zur "Hildegard Knef des Dialekt-Rap" (©"Der Standard") gemausert und tauscht das alte T-Shirt gegen High Heels und tiefausgeschnittenes Kleid und legt mit ihrem Soundkonzept eine Punktlandung hin. Mit Kersoin 95 und Ebow zeichnen zwei weitere Frauen ein wortgewaltiges Hip-Hop-Gegenbild zur Misogynie des Gangster-Rap.

Die Geschwister Esra und Enes Özmen schaffen 2019 den Sprung aus Ottakring auf die Bühne der Eröffnung der Wiener Festwochen, wo sie dem Publikum zeigen, dass ihre sozialkritischen Texte weit über die Grenzen des traditionellen Arbeiterbezirks strahlen und einschlagen.

Gestaltung

Astrid Schwarz
Rainer Elstner