Rosen

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Sags durch die Blume

Im 18. Jahrhundert kam die Idee einer "Blumensprache" auf, noch heute versuchen viele "es" mit einem Blumenstrauß zu sagen. Die Germanistin Isabel Kranz liest Gartenbücher aus Forschungsinteresse. Sie hat in ihrem Buch "Sprechende Blumen" ein ABC der Pflanzensprache erarbeitet.

Historisch gesehen sind Privatgärten eine Errungenschaft des Biedermeier. Der Hausgarten sollte die Gegenwelt zur Stadt, zur Arbeit sein - eine Art fortgesetzte Wohnung im Freien. Und auch ein Ort, an dem man sein Sensorium schulen konnte. Schon im 19. Jahrhundert entstand auch die Sehnsucht sich vom selbstgezogenen Obst und Gemüse ernähren zu können.

Der Garten ist auch ein Universum im Kleinen, in dem viele gesellschaftliche Probleme betrachtet werden können und in dem viel über Zeit nachgedacht wird, ist er doch selber der Zeit unterworfen.

Veilchen bedeuten Bescheidenheit, die Ringelblume steht für Eifersucht.

Nahaufnahme einer Ringelblume

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Die sogenannte Blumensprache war im 19. Jahrhundert groß in Mode. Blumen sollten aus dem Herzen sprechen. Die Idee, dass man durch das Verschicken bestimmter Blumen Nachrichten komponieren kann, entstand als erstes in Frankreich.

Die Blumensprache war ein Salonspiel. Die französische Idee wurde ins englische übertragen und dann für deutsche Blumen adaptiert. Die gelbe Rose stand schon damals für Untreue, Weißdorn für Hoffnung. Ringelblume für Eifersucht, Schwertlilie für Flamme.

Eine Moosrose bedeutet sinnliche Liebe eine weise Rose steht für ein Herz das noch keine Liebe empfunden hat.

Für Fortgeschrittene waren auch kompliziertere Botschaften möglich. Allerdings ist die Vorstellung, die oft in Büchern kolportiert wird, dass sich z. B. junge Liebende mittels Blumenbouquet so komplexe Botschaften schickten, wie "morgen Nachmittag um 14 Uhr unten an der Brücke kommt der Geliebte vorbei um seine Liebe zu gestehen“ sicher falsch.

Denn all die Blumen, die oft angeführt werden, blühen nicht zur gleichen Zeit. Außerdem müssten die Liebenden alle das gleiche Buch gehabt haben. Und laut Isabel Kranz gab und gibt es viele unterschiedliche Bücher, die die Blumensprache unterschiedlich deuten. Es müssten also beide Parteien das selbe Buch haben um Missverständnisse zu vermeiden.

Eine Butterblume kann Kummer, Langeweile oder Sorge bedeuten.

Butterblume

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Blumen werden auch von der Politik vereinnahmt. Um die Kornblume entbrannte eine heftige Diskussion. Die Abgeordneten der FPÖ trugen zwischen 2006 und 2013 bei den konstituierenden Sitzungen des österreichischen Nationalrats eine Kornblume. Angeblich als Symbol für die Freiheitsbewegung 1848. Renommierte Historiker sahen darin allerdings das Symbol der deutschnationalen Bewegung.

Norbert Hofer - der Bundesparteiobmann der FPÖ - ließ die Kornblume schließlich durch das Edelweiß ersetzen. Auch andere politische Bewegungen setzen auf Blumensymbolik, so ist zum Beispiel die rote Nelke die Arbeiterblume und wird von der SPÖ verwendet.

Blumen sind auch das Symbol von Revolutionen. Ob Jasmin 2010 in Tunesien, die rote Nelke im Portugal der 1970er Jahre oder die Rose Anfang 2003 in Georgien - Blumen sollen die friedliche Machtübernahme durch das Volk symbolisieren. Blumen stehen immer auf der Seite der Unterdrückten - und tragen so auch zur Geschichtsschreibung bei.

Weinblätter drücken Freude aus, eine Anemone Misstrauen.

Auch einige Begriffe, die wir in der Alltagssprache verwenden kommen aus der Pflanzenwelt. Wenn wir über Identität sprechen verwenden wir fast immer die Metapher der Wurzeln. Ein anderes Wort, das wir in der Alltagssprache noch oft benutzen, ist das Wort Floskel.

Floskel kommt von Flosculus, Blümchen, und war ursprünglich eine Ausschmückung. Jetzt ist es der Inbegriff für etwas Unnötiges, wenn einem nichts mehr einfällt, bläht man die Rede mit Floskeln auf und verschleiert so seinen Standpunkt. Die Blume ist hier von etwas Schmückendem zu etwas Überflüssigem geworden. Wir sprechen also auf viele Arten durch die Blume.

Service

Sprache der Blumen
Blumensprache

Isabel Kranz, "Sprechende Blumen: Ein ABC der Pflanzensprache", Matthes und Seitz 2014