Szenenausschnitt

WIENER STAATSOPER/ASHLEY TAYLOR

"Elektra" live aus der Staatsoper

Richard Strauss' Oper mit Christine Goerke (Elektra), Waltraud Meier (Klytämnestra), Simone Schneider (Chrysothemis), Norbert Ernst (Aegist), Michael Volle (Orest) u.a. Das Orchester der Wiener Staatsoper spielt unter der Leitung von Semyon Bychkov.

"Anfangs schreckte mich der Gedanke, dass beide Stoffe ("Salome" und "Elektra") in ihrem psychischen Inhalt viele Ähnlichkeiten hatten, sodass ich zweifelte, ob ich ein zweites Mal die Steigerungskraft hätte, auch diesen Stoff erschöpfend darzustellen. Jedoch der Wunsch, dieses dämonische, ekstatische Griechentum des 6. Jahrhunderts Winckelmann’schen Römerkopien und Goethe’scher Humanität entgegenzustellen, gewann das Übergewicht über die Bedenken, und so ist 'Elektra' sogar noch eine Steigerung geworden in der Geschlossenheit des Aufbaus, in der Gewalt der Steigerungen.

"... bis an die Grenzen der Harmonik"
Richard Strauss

Beide Opern stehen in meinem Lebenswerk vereinzelt dar: Ich bin in ihnen bis an die Grenzen der Harmonik, psychischer Polyphonie und der Aufnahmefähigkeit heutiger Ohren gegangen", so der Komponist Richard Strauss in seinen Betrachtungen und Erinnerungen über die 1909 in Dresden uraufgeführte Oper "Elektra".

Als die kühnste und modernste Oper im Schaffen von Strauss gilt dieses Werk, niemals später hat er in derart geballter Form mit polytonalen Passagen und gewaltig dissonanten Klangblöcken gearbeitet, alle seine nachfolgenden Opern sind tonaler geprägt.

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WIENER STAATSOPER/ASHLEY TAYLOR

Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal

Doch nicht nur in musikalischen Aspekten nimmt die einaktige "Elektra" - komponiert für ein 111 Musiker/innen umfassendes Orchester - eine Sonderstellung im Schaffen von Richard Strauss ein, das Werk markiert auch den Auftakt zu einer außergewöhnlichen künstlerischen Zusammenarbeit: Es war das erste Werk, das der Komponist aus Bayern gemeinsam mit dem Wiener Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal verfasst hat. Bereits 1899 hatten sich die beiden Männer in Berlin kennengelernt, doch der Entwurf zu einem Ballett, den Hofmannsthal Strauss bald darauf anbot, konnte den Komponisten nicht begeistern.

Aber dann, 1903, war Strauss von Hofmannsthals Theaterstück "Elektra" fasziniert: "Als ich zuerst Hofmannsthals geniale Dichtung sah, erkannte ich den glänzenden Operntext (der sie nach meiner Umarbeitung der Orest-Szene tatsächlich geworden ist) und die gewaltige musikalische Steigerung bis zum Schluss", so nochmals Strauss in seinen Erinnerungen.

Auf einem Schauspiel beruhend

Nach den Wünschen des Komponisten hatte der Schriftsteller sein Theaterstück umgearbeitet - und auch in diesem Punkt ist "Elektra" ein besonderes Werk, denn diese Oper beruht auf einem Schauspiel, während die späteren Strauss-Hofmannsthal-Opern direkt als Opernsujets entstanden sind.

Nur zwei Monate nach der Dresdner Uraufführung ist "Elektra" erstmals über die Bühne der Wiener Hofoper gegangen; die letzte Wiener Neuproduktion der "Elektra" ist 2015 herausgekommen. Jetzt gibt in dieser Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg die gefeierte US-amerikanische Sopranistin Christine Goerke in der fordernden Titelrolle ihr Hausdebüt an der Wiener Staatsoper.

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