Johanna Dohnal

ELFIE SEMOTAN

"Die Dohnal"

Filmemacherin Sabine Derflinger und Johanna-Helen Dohnal im Gespräch.

Als Johanna Dohnal im März 1995 aus der Zeitung erfuhr, dass sie als Frauenministerin abgesetzt werden sollte, war ich drei Jahre alt. Erst als Studentin lernte ich, wer Johanna Dohnal war und was sie für mich und alle Frauen in Österreich getan hatte.

Jegliche Rollenzuweisung zurückgewiesen

Johanna Dohnal kämpfte für eine Gesellschaft frei von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten, Abhängigkeiten und Rollenzwängen. Vor dem Hintergrund patriarchal geprägter Machtverhältnisse bündelte sie die Kräfte aller österreichischen Frauenorganisationen, von der Katholischen Frauenbewegung bis zur Aktion Unabhängiger Frauen, um öffentlichen Druck für ihre gemeinsamen Anliegen zu erzeugen. So setzte Dohnal die Gründung und dauerhafte Finanzierung der Wiener Frauenhäuser durch.

1990 wurde Dohnal die erste Frauenministerin in der österreichischen Geschichte.

Sie setzte sich zudem dafür ein, dass benachteiligende Normen aus dem Familienrecht gestrichen und dem Grundsatz der Partnerschaft zwischen Frau und Mann angepasst wurden. Sie bekämpfte die Amtsvormundschaft für Kinder unverheirateter Frauen. Sie erkämpfte, dass Vergewaltigung in der Ehe im Sexualstrafrecht als Verbrechen normiert wurde. Sie forderte die Berücksichtigung von Kinderbetreuungszeiten bei der Pensionsberechnung ein. Wo sie nur konnte, erwirkte sie eine Verbesserung der Lebenssituation von Frauen.

Morgenjournal | 14 02 2020 | "Die Dohnal" im Kino

Judith Hoffmann

Interviewer: Ewig Frauenfragen - füllt das Ihr politisches Leben aus?
Dohnal: Ja, mehr als ich manchmal verkraften kann.

Am 14. Februar 1939 als uneheliches Kind in Wien geboren, wuchs Dohnal bei der Großmutter in Penzing auf. Sie arbeitete in einer Kunstharzpresserei, nachdem sie dort die Lehrausbildung zum "Industriekaufmann" abgeschlossen hatte. Einen weiterführenden Schulbesuch konnte sich die Familie nicht leisten. Mit 16 Jahren trat sie der SPÖ bei, mit 22 war sie Mutter zweier Kinder.

Geprägt von diesen Erfahrungen setzte sich Dohnal zunächst auf Bezirksebene, ab 1973 als Wiener Landtagsabgeordnete für die Interessen von Frauen ein. 1979 machte Bruno Kreisky Dohnal zur Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen und damit zu einer der ersten regierenden Feministinnen in Europa. 1990 wurde Dohnal die erste Frauenministerin in der österreichischen Geschichte.

1995 aus dem Amt gedrängt

Sowohl von konservativer Seite als auch aus den eigenen Reihen überwand Dohnal großen Widerstand, um ihre feministische Vision einer menschlichen Zukunft Schritt für Schritt zu realisieren. Nach 16 Jahren Regierungstätigkeit hatte sie ihren Schwung nicht verloren. Trotzdem konnte sie ihre Agenden als Frauenministerin nicht abschließen: Im März 1995 wurde sie von Kanzler Franz Vranitzky aus dem Amt gedrängt.

Aber Dohnal wusste, dass der Weg von rechtlicher zu tatsächlicher Gleichheit noch weit war, und führte ihr unermüdliches frauenpolitisches Engagement fort. Sie verstarb am 20. Februar 2010, kurz nach ihrem 71. Geburtstag.

Filmplakat

FILMDELIGHTS

Filmisches Denkmal

Dohnals gesellschaftspolitische Errungenschaften sind für meine Generation Selbstverständlichkeiten. Ihr Name gerät in Vergessenheit. Aus diesem Grund hat das Johanna Dohnal Archiv die mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Sabine Derflinger beauftragt, ihr ein filmisches Denkmal zu setzen. Der Dokumentarfilm "Die Dohnal - Frauenministerin/Feministin/Visionärin" startet am 14. Februar in den Kinos.

Im Gespräch mit Ruth Hutsteiner lassen Regisseurin Sabine Derflinger und Enkelin Johanna-Helen Dohnal das Leben und Wirken von Johanna Dohnal anlässlich deren zehnten Todestags Revue passieren.

Text: Viktoria Waldhäusl, freie Redaktionsmitarbeiterin für "Im Gespräch"

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