Goldrahmen eines Gemäldes in den Uffizien

AFP/ATTILA KISBENEDEK

Virtuell zu Besuch in den Uffizien

Zwischen 1349 und 1351 verfasste der italienische Poet Giovanni Boccaccio eine Sammlung von Geschichten, die unter dem Titel "Decameron" weltberühmt wurde. Diese Geschichten erzählen sich in dem Werk Bocaccios junge Leute in einer Villa auf dem Land, in die sie vor der Pest in Florenz geflohen waren.

In Italien herrscht zwar keine Pest, doch das Coronavirus hat das öffentliche Leben lahmgelegt. Auch alle Museen sind geschlossen. Eike Schmidt, Direktor der Uffizien in Florenz, griff die Idee des Geschichtenerzählens in Pest- bzw. Virenzeiten auf und entwickelte das Projekt "Uffizi Decameron".

Geschichten Erzählen

Eike Schmidt betritt von flotter Musik begleitet einen Saal der Uffizien. Das sei einer seiner bevorzugten Säle, erklärt der Kunsthistoriker, ein Raum mit Werken von Raffael und Michelangelo. Einer jener Säle, in denen in den vergangenen Monaten die Gemälde thematisch neu und, so Schmidt, klarer und übersichtlicher als früher gehängt wurden.

Der Facebook-Nutzer wird von Eike Schmidt in einzelne Kunstwerke eingeführt: in verständlicher Sprache und mit Blick auf die Details der Meisterwerke. Die Uffizien wollen die landesweite Schließung aller Museen umgehen. Mit einem digitalen Trick, und mit Hilfe der Sozialmedien.

Einführung in die Kunstwerke

Eike Schmidt: "‘Uffizi Decameron‘ wird auf allen unseren Sozialmedien-Kanälen angeboten, nicht nur Facebook, sondern auch Twitter und Instagram. Instagram ist bildbasiert. Jeden Tag posten wir ein Werk aus unserer Sammlung, manchmal auch mehr als eines, und dazu Interpretationen, Fragen, Denkanregungen. In Facebook hingegen haben wir Videos gedreht, mit mir aber auch mit anderen Mitarbeitern."

Schmidt hatte die Idee zu diesem Projekt, um Kunstliebhabern die Möglichkeit zu geben, Tag für Tag, bestimmte Gemälde zu vertiefen - und damit mehr als nur den Besuch seines Museums zu ermöglichen. Denn die kurzen Videofilme, die nur einige Minuten dauern, liefern Hintergrundinformationen, die dem normalen Museumsbesucher, der keinen speziellen Guide in seinen Händen hält, der die einzelnen Werke erklärt, wichtiges, kurioses und auch spannendes Wissen vermittelt.

Angestellte präsentieren Lieblingswerke

Museumsdirektor Schmidt freut sich über das große Feedback auf sein Projekt. Eine positive Nachricht in düsterer Zeit, meint er: "Finanziell hat der Besucherstopp ganz gravierende Auswirkungen. Es fällt ganz bestimmt die gesamte Ostersaison weg, was unsere erste Hauptsaison im Jahr ist."

Sollte sich die Schließung der Museen hinziehen, über den April hinaus, so Schmidt, dann müsse er Hilfsgelder bei der Regierung anfragen. Bei dem Projekt "Uffizi Decameron" machen auch die Angestellten der Uffizien mit. Eike Schmidt: "Unsere Saalaufsichten sind auch ganz begeistert dabei. Wir haben auch das Projekt ‚la mia sala‘, mein Saal, in dem die Saalaufsichten ihre Lieblingswerke erklären."

Das Projekt ist ein voller Erfolg: in den ersten Tagen haben sich mehr als 200.000 Menschen die Kurzfilme aus den Uffizien angeschaut. Das zeigt, dass ein echtes Interesse auch an einem virtuellen Museumsbesuch besteht.

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