Roland Neuwirth & radio.string.quartet

ANDREAS KÖPP

Neue Single von Roland Neuwirth

Über vier Jahrzehnte lang hat Roland Neuwirth mit seinen Extremschrammeln wesentlich an der Erneuerung des Wienerliedes mitgearbeitet. Vor drei Jahren hat er sich von der Bühne verabschiedet. Bald ist er aber mit dem Wiener radio.string.quartet wieder aufgetreten und hat mit dem Ensemble jetzt ein neues Album eingespielt. Die Präsentation und anschließende Konzerte wurden wegen des Coronavirus verschoben, aber zumindest die Single des Albums wird heute veröffentlicht.

Nicht von einer globalen, sondern von einer persönlichen Krise handelt das Lied "I hab die Welt neich erfunden". Im dazugehörigen Video fährt die Kamera durch einen leergefegten Wiener Naschmarkt, und in einer Liedzeile singt Roland Neuwirth: "I denk ma die Menschen glei dazua". Und schon ist man wieder drin, in der absurden Gegenwart, auch wenn es sich hier um ein Scheidungslied handelt.

Von Einsamkeit wird auch in der aktuellen Krise viel gesprochen. Ihm als Künstler, der sowieso viel allein ist, komme die Einsamkeit auf seinem Waldviertler Hof sehr gelegen, sagt Roland Neuwirth. "Da bin ich nicht so eingesperrt. Mir tun die Leute leid, die in der kleinen Wohnung in Wien sitzen müssen und sich nur mit Mundschutz blicken lassen

Ein Hauch Avantgarde

Wäre kein Ausnahmezustand, hätte Roland Neuwirth heute seine neue CD veröffentlicht: "Erd'" heißt das Album, von dem man jetzt vorerst nur die Single zu hören bekommt. Das Ensemble, das Neuwirths Poesie hier mit feinen, oft überraschenden Akkorden und einem Hauch Avantgarde versieht, ist das radio.string.quartet. Dieses hat sich zwischen Neuer Musik, Jazz und Pop internationales Renommee erspielt - mitgegründet haben es zwei ehemalige Extremschrammler, die beiden Geiger Bernie Mallinger und Igmar Jenner.

"Einmal Musiker, immer Musiker - der kann nicht aufhören wie ein Bankbeamter."
Roland Neuwirth

"Mit den Schrammeln habe ich nach 42 Jahren auch deshalb aufhören müssen, weil ich krank geworden bin." Nach zwei Jahren habe er das mit Tabletten jetzt soweit im Griff. "Einmal Musiker, immer Musiker - der kann nicht aufhören wie ein Bankbeamter."

Als Roland Neuwirth dann von einem befreundeten Festivalveranstalter gebeten wurde, aufzutreten - in welcher Besetzung auch immer - fiel seine Wahl sofort auf das von ihm hochgeschätzte radio.string.quartet. Mit ihm hat der Musiker nun das Konzeptalbum "Erd'" produziert - mit einem Erzählstrang, auf den ihn - unbeabsichtigt - Erwin Ortner, der Leiter des Arnold Schoenberg Chors, gebracht hat.

"Sei froh, dass d' oid bist. Da geht es nur mehr ums Wesentliche." Erwin Ortner

"‘Was wüst d’n?'", habe Ortner gesagt, "sei froh, dass d' oid bist. Da geht es nur mehr ums Wesentliche'. Es geht um die Situation: Du bist auf der Erde und du kommst wieder in die Erde. Und der Weg dorthin - das ist der Erzählstrang, wenn Sie so wollen", so Roland Neuwirth.

Roland Neuwirth

APA/HERBERT PFARRHOFER

"Erd" und Schubert im Konzerthaus

Mehr davon gibt es dann hoffentlich im Juni zu hören, wenn die CD-Präsentation nachgeholt wird - wie auch die Konzertauftritte etwa im Wiener Konzerthaus. Ebendort wird Roland Neuwirth im Herbst auch anlässlich seines 70. Geburtstags aufspielen - und im Dezember eine "Wiener Winterreise" auf den Spuren von Franz Schubert präsentieren.

Exklusiv für das Ö1 Kulturforum

Die Nummer "ogsogt" als Reaktion auf die Corona-Krise schrieb Roland Neuwirth exklusiv für das Ö1 Kulturforum

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