Ursula Strauss und Ernst Molden

DANIELA MATEJSCHEK

Molden und Strauss suchen die "wüdnis"

Seit sieben Jahren arbeitet der Wiener Liedermacher und Autor Ernst Molden immer wieder mit der Schauspielerin Ursula Strauss zusammen. Gemeinsam sind sie unter anderem zwei Mal bei der Eröffnung der Wiener Festwochen aufgetreten. Über die letzten zwei Jahren hat Molden einen Liederzyklus erarbeitet. Jetzt erscheint das Album "wüdnis".

Ernst Molden und Ursula Strauss suchen die Wildnis. In Geschichten und Figuren, in und um Wien. Auf dem Leopoldsberg, entlang der Donau oder in der "Hainbuaga Schdrossn". Oder ganz einfach im Alltag, wenn der gewohnte Rhythmus gebrochen wird.

Ein Duo auf Wanderschaft

"Es kann auch eine Wüdnis sein, die sich einfach durch Reduktion im normalen Leben ergibt", sagt Ernst Molden. Sogar der Teufel will hier ans Meer und der Liedermacher spricht von einem Duo im Wanderschaftsmodus, die Sängerin und der Sänger mit der Gitarre auf dem Rücken: "Der Gestus ist in den Liedern drinnen. Man ist zwar jetzt hier in der Stadt, aber man könnte jederzeit ans Meer oder man könnte jederzeit auf den Leopoldsberg gehen, um dort einen schönen Tod zu sterben. Man ist bereit in die Wüdnis zu gehen und die Protagonisten und Protagonistinnen dieser Songs sind flucht- und reisebereit und - manchmal auch angriffsbereit."

Kulturjournal | 13 05 2020 | Ernst Molden im Gespräch über die Arbeit im Duo, die Wildnis in der Stadt, den Satz "Österreich ist frei", der ganz am Ende des Albums steht, und natürlich auch über die aktuelle Krise.

Angriffslustig wie Theresia Kandl im "Theresiasong", die 1809 wegen Mordes als erste und zugleich letzte Frau in Wien am Galgen hingerichtet wurde. "Lieder, die sich die Ursula Strauß anziehen kann wie Gwandl", schwärmt Molden von seiner Partnerin: "Die ist da hineingschlüpft, genau so hab ich es mir vorgestellt."

Der Krieg vorm Baumarkt und ein freies Land

Aber in den meisten Liedern ist kein Dialog zwischen Molden und Strauss, sondern die beiden singen gemeinsam und geben den Liedern so etwas Direktes und Unverschlüsseltes. Zwei Stimmen, die sich wie in der zarten Ballade "Woadliad" wie auf zerbrechlichen Ästen zu einer Begegnung vorwärtstasten.

Alle Lieder hat Molden eigens für dieses Projekt und bereits vor der jetzigen Krise geschrieben. Und doch wirken einige Songzeilen wie aus dem Moment heraus ins Land gesungen. So denkt man unwillkürlich an die Warteschlangen vor den Baumärkten, wenn im Lied "Griag" etwa "der Krieg am Baumarkt vorbeigeht". Die Bedeutung der Texte habe sich teils für ihn durch die aktuelle Situation verändert, so Molden: "Für uns scheint das ein Substitut fürs Kriegsführen zu sein, wenn man mit der Flex zwei Stunden in der Garage verschwindet und dann blutend und lachend und schwitzend wieder herauskommt."

Albumcover

BADER MOLDEN

"Kulturszene ist der Kulturpolitik fremd"

Mit dem Leopold-Figl-Zitat "Österreich ist frei" besingt Molden ganz am Ende des Albums die Freiheit und die Möglichkeit auch einfach nur zum Dasitzen. Zum Dasitzen und Zuschauen gezwungen sind derzeit viele heimische Kunstschaffende, die in den letzten Wochen von der Kulturpolitik oft irritiert und verärgert zurückgelassen worden seien, sagt Molden: "Da sitzen Menschen, die in ihrem Leben außer Politik und im besten Fall Verwaltung nichts anderes gemacht haben, und denen die Kunst- und Kulturszene völlig fremd ist. Sie reden wie die Blinden von der Farbe und haben keine Ahnung wie Kunst entsteht." Inzwischen, so Ernst Molden, habe er wenigstens das Gefühl "dass jetzt die zuständigen Politiker den Beteiligten zuhören. Das war vorher nicht so".

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