Christophe Slagmuylder

APA/HANS PUNZ

Wiener Festwochen fallen aus

Erstmals in ihrer fast 70-jährigen Geschichte finden die Wiener Festwochen heuer nicht statt. Freitagabend wäre der traditionelle Start, die große Festwocheneröffnung am Wiener Rathausplatz über die Bühne gegangen. Einen Ersatz kann es für so ein Festival nicht geben, kleinere künstlerische Aktionen sollen aber online und auf Wiens Straßen stattfinden. Ö1 hat mit Festwochen-Chef Christophe Slagmuylder gesprochen.

"Wir sind Teil einer Stadt und einer Welt, die sich verändert", so Christophe Slagmuylder Ende Februar bei der Festwochen-Pressekonferenz. Wie sehr sich die Stadt und die Welt innerhalb eines Monats verändern sollte, hat niemand ahnen können. Allerdings die Endzeitvisionen, die heuer auf dem Programm gestanden wären, Produktionen wie "Requiem", "Totentanz", "Das Ende" oder "Heartbreaking final" wirken rückblickend fast schon visionär.

Kleine künstlerische Gesten

Für Intendant Christophe Slagmuylder ist der Ausfall der heurigen Festwochen auch eine persönliche Enttäuschung. Nach seinem kurzfristigen Einspringen im Vorjahr wäre diese Ausgabe die erste mit seiner Handschrift gewesen.

Um die Leerstelle, die die Wiener Festwochen hinterlassen, spürbar zu machen, werden ab heute bis zum Festivalende (20. Juni) jeden Tag kleine künstlerische Gesten zu den geplanten Produktionen virtuell angedeutet: Videos, Gespräche, musikalische Fragmente, Texte oder Bilder. Sozusagen als Referenz an ein Festival, das nicht stattfindet.

Eröffnungsrede aus dem Regenwald

In der Stadt selbst machen etwa eine Videoinstallation am Karlsplatz oder eine Posteraktion auf die Festwochen aufmerksam. Schon heute Abend senden einige Künstlerinnen und Künstler der Festwocheneröffnung am Rathausplatz einen musikalischen Gruß in die Welt.

Am Samstagvormittag wird die Eröffnungsrede, mit Theatermacher Milo Rau und der indigenen Aktivistin Kay Sara, übertragen. Nicht aus dem Burgtheater, sondern aus dem Regenwald in Amazonien. Slagmuylder: "Sie ist in ihrem Regenwald in Amazonien, kann naturgemäß nicht reisen und wird die Rede den Umständen anpassen."

Kay Sara, Milo Rau: Against Integration

"Against Integration", Kay Sara und Milo Rau

HELOISA BORTZ

Subventionen bleiben

Die rund zehn Millionen Subventionen erhält das Festival trotzdem, so Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. "Die Wiener Festwochen wie alle Institutionen, die die Stadt Wien fördert, bekommen ungebrochen ihre Subvention - egal ob etwas ausfällt oder nicht. Das gibt Sicherheit und ermöglicht den jeweiligen Institutionen, dass sie die Gagen an die Künstlerinnen und Künstler weiterzahlen."

Die Hoffnung, im Herbst zumindest ein paar kleinere Produktionen zeigen zu können, hat man noch nicht aufgegeben, und Projekte, die extra für Wien entstanden wären, sollen im kommenden Jahr gezeigt werden. So ist vom heurigen Motto "Last Time, This Time, Next Time" nur noch das "Next Time" als Trost geblieben.

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