Porträt von Dietmar Steiner

APA/HERBERT NEUBAUER

Az-W-Gründer Dietmar Steiner gestorben

Dietmar Steiner, der Gründungsdirektor des Architekturzentrum Wien ist am Freitag im Alter von 68 Jahren gestorben. Er galt als einer der engagiertesten und streitbarsten Experten des österreichischen Wohnbaus.

Dietmar Steiner, am 31. Dezember 1951 in Wels geboren, studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien und arbeitete an Friedrich Achleitners Archiv "Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert" mit. Er lehrte an der Hochschule für angewandte Kunst und war Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Architektur sowie Redakteur des Magazin "domus". 2002 war er als Kommissär des österreichischen Beitrags der Architektur-Biennale in Venedig.

Von 2006 bis 2014 war er Präsident von ICAM - International Confederation of Architectural Museums - der weltweiten Dachorganisation der Architekturmuseen. Von 2009 bis 2014 Vorsitzender des Qualitätsbeirats für den sozialen Wohnbau in Wien.

Alle Billigwohnmodelle müssen mit Betreuung und Moderation verbunden sein. Und es muss eine soziale Durchmischung geben.

Vor allem aber war Steiner 1993 Gründungsdirektor des Architekturzentrum Wien, das er 25 Jahre lang leitete und zu einer Institution von hoher internationaler Reputation machte. Mit zahlreichen Ausstellungen zu historischen wie aktuellen Architektur- und Stadtentwicklungsthemen und einem breiten Vermittlungsprogramm positionierte sich das Architekturzentrum als wichtiger Player im baukulturellen Diskurs. Zudem legte Steiner den Grundstein für die größte Sammlung von Vor- und Nachlässen österreichischer Architekten des 20. Jahrhunderts.

Beim Thema "leistbares Wohnen" habe ich immer die politische Frage gestellt, ob wir nicht besser von "leistbaren Löhnen" reden sollen.

Nach seiner Pensionierung 2017 knüpfte Steiner an den Beginn seiner Karriere an und arbeitete an dem ausständigen Niederösterreich-Band von Friedrich Achleitners Architekturführer - ein Projekt, das er nicht mehr beenden konnte.

Reaktionen

"Die Architektur und wir alle, die wir in ihr leben, haben einen großen Verbündeten verloren", bekundete Angelika Fitz, die 2017 Nachfolgerin von Steiner als Az W-Direktorin wurde.

"Nicht nur das Az W, sondern die Architekturszene Österreichs - aber auch darüber hinaus - verlieren mit Dietmar Steiner einen der engagiertesten Vertreter", wurde Hannes Swoboda, Präsident des Vorstandes des Az W, heute auf der Homepage zitiert. "Er war nie ein Angepasster und seine kritischen Analysen haben immer für Debatten gesorgt. Aber genau diese Debatten, an denen er aktiv mitmischte haben Architekturgeschichte geschrieben."

Tief betroffen vom Tod des Gründungsdirektors des Architekturzentrum Wien (Az W), Dietmar Steiner, zeigte sich der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ): Mit ihm verliere man "einen herausragenden Visionär und Wegbereiter seines Faches", hieß es in einer Aussendung. Für Ludwig war Steiner "ein streitbarer, aber stets konstruktiver Freigeist, der insbesondere mit dem Az W, das er mitbegründete und fast 23 Jahre führte, ein Wohnzimmer für Architekturinteressierte und damit einen Ort für Diskurs, Kompetenz und Kontinuität geschaffen hat". Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) bezeichnete ihn als "leidenschaftlichen Verfechter, Denker und Kritiker".

Der Architekturpublizist, Architekturhistoriker und -kritiker sei "unbestechlich in seinem Urteil, in seiner Haltung ohne Kompromiss" gewesen, beschrieb ihn die Wiener Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin Birgit Hebein (Grüne). Ihre Parteikollegin und Nationalrats-Kultursprecherin Eva Blimlinger nannte Steiner "einen der wichtigsten Mentoren und Kämpfer für die Architektur": "Wie kaum ein anderer hat er es verstanden, die Bedeutung der Architektur für die Gesellschaft und die Notwendigkeit die Geschichte der Architektur zu vermitteln."

Text: APA, red.