Andrea Mayer

APA/ROLAND SCHLAGER

Andrea Mayer ist neue Kunst- und Kulturstaatssekretärin

Die ehemalige Leiterin der Kunst- und Kultursektion, Andrea Mayer, ist am Mittwoch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt worden. Somit wechselt die frisch gebackene Staatssekretärin für Kunst und Kultur von der Präsidentschaftskanzlei, die sie seit 2017 leitete, zu Vizekanzler Werner Kogler ins Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport. Die Kür Andrea Mayers findet in der Branche einhellige Zustimmung.

Am Montagabend hatte der erweiterte Bundesvorstand der Grünen per Videokonferenz mit 100 Prozent der abgegebenen und gültigen Stimmen (anwesend waren 29 der 33 Stimmberechtigten) dem Vorschlag von Vizekanzler Werner Kogler, Andrea Mayer zur Nachfolgerin von Ulrike Lunacek zu machen, seine Zustimmung gegeben. Zuvor hatte der Bundesvorstand der Grünen nach Beratung mit dem Parlamentsklub eine einstimmige Empfehlung an den Erweiterten Bundesvorstand abgegeben.

"Ich werde mein Bestes geben"

Die langjährige Spitzenbeamtin wurde am Dienstag, um 11 Uhr, im Ministerium für Kunst, Kultur, Öffentlicher Dienst und Sport, der Öffentlichkeit als neue Staatssekretärin präsentiert.

"Wir haben mit Andrea Mayer einen echten Profi gefunden", zeigte sich Kulturminister Werner Kogler (Grüne) bei der offiziellen Vorstellung der designierten Kunst- und Kulturstaatssekretärin überzeugt von seiner Favoritin für das Amt. Mayer soll bereits am morgigen Mittwoch als Nachfolgerin der zurückgetretenen Ulrike Lunacek angelobt werden.

Andrea Mayer

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Andrea Mayer zitierte in ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit der Wahl John Lennon mit der Liedzeile "Life is what happens to you, while you're busy making other plans." "Das ist mein aktueller Gemütszustand", so Mayer, die in ihrer Vorstellung im Ministerium von einem kurzen Stromausfall gebremst wurde. Sie könne jedenfalls versichern: "Ich werde mein Bestes geben."

"Mein Credo ist: Kunst und Kultur stellen einen unfassbaren Reichtum dar", umriss Mayer ihren Zugang: "Diesen Reichtum gilt es zu schützen, dafür zu lobbyieren und ihn staatlich zu finanzieren." Als erste Maßnahme gelte es deshalb, den freischaffenden Künstlern unter die Arme zu greifen - mit Auftrittsmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung. "Wir werden Maßnahmen ergreifen, die rasch funktionieren, die unbürokratisch funktionieren."

Es gelte aber auch an die Institutionen zu denken, betonte Mayer: "Wir müssen sie finanziell absichern, damit sie ihre künstlerischen Programme weiterplanen können." Auch die Öffnungsfragen gelte es zu klären. "Wir müssen Kunst und Kultur - um wieder zu einer Normalität zu kommen - live erleben können", so die künftige Staatssekretärin. Um all dies zu erreichen, sei ihr eine rasche und offene Kommunikation mit allen Beteiligten wichtig: "Meine Tür ist offen - ebenso mein Ohr."

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Lunacek am Freitag zurückgetreten

Nach vehementer Kritik an schleppenden Unterstützungsmaßnahmen und zu wenig Verständnis für die existenziellen Nöte von Künstlern und Kulturinstitutionen angesichts der herrschenden Veranstaltungsverbote hatte Ulrike Lunacek am Freitag ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie habe gemerkt, dass die Unzufriedenheit und Enttäuschung im Kulturbereich trotz ihrer Bemühungen "nicht geringer wurde" und sie "keine positive Wirkung mehr erzielen konnte", erklärte sie.

Koglers Kandidatin

"Mir ist wichtig, dass wir eine professionelle, kompetente und ebenso engagierte Person bekommen werden", hatte Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler (Grüne) über die künftige Kunst- und Kulturstaatssekretärin gesagt. Dass Andrea Mayer tatsächlich "eine sehr kompetente, erfahrene und führungsstarke Persönlichkeit" ist, dieses Urteil kommt von höchster Stelle - vom Bundespräsidenten.

Kabinettsdirektorin des Bundespräsidenten

Im Februar 2017 wurde die Spitzenbeamtin (die während ihrer Ehe Ecker hieß) von Alexander Van der Bellen als Kabinettsdirektorin in die Hofburg berufen. Als erste Frau leitete sie seither die Präsidentschaftskanzlei. Kontakt in die Kunst- und Kulturszene hatte sie auch weiterhin - so steht sie etwa dem Kuratorium des Belvedere vor, dessen Ausschreibungsprozess nach den Turbulenzen um Direktorin Agnes Husslein-Arco sie geleitet hatte.

Steile Karriere

Mayer wurde 1962 in Amstetten geboren und studierte in Wien Germanistik, Geschichte und Rechtswissenschaft. Erste politische Erfahrungen sammelte sie in der Österreichischen Hochschülerschaft. Nach ihrem Gerichtsjahr und einer Tätigkeit in der Privatwirtschaft trat sie 1993 in den Bundesdienst ein und wurde Mitarbeiterin des damaligen Kunstministers Rudolf Scholten (SPÖ). Anschließend war sie im Wissenschaftsministerium für Innovation und Forschungsfragen zuständig.

2007 erfolgte ihre Bestellung zur Chefin der Kunstsektion im damals von Claudia Schmied (SPÖ) geleiteten Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. 2015 wurde die Kunst- mit der Kultursektion fusioniert. Nach einer Ausschreibung wurde Mayer vom damaligen Kanzleramtsminister Josef Ostermayer (SPÖ) mit der Leitung beauftragt. Damit war die Mutter von Zwillingen, die auch eine Supervisions- und Coachingausbildung absolvierte, unangefochten Österreichs oberste Kunst- und Kulturbeamtin.

Sie fungierte als Eigentümervertreterin des Bundes bei der Bundestheater-Holding und der MuseumsQuartier Errichtungs- und BetriebsgesmbH sowie als Mitglied in unterschiedlichen Aufsichtsgremien, wie etwa bei den Bregenzer und den Salzburger Festspielen und im Wiener Konzerthaus. Als Expertin bringt sie unzweifelhaft langjährige Erfahrung und tiefen Einblick in das Gebaren der heimischen Kulturinstitutionen mit. Als Beamtin hat sie sich in der Kulturbranche den Ruf einer kompetenten und streitbaren, die Sache leidenschaftlich vertretenden Verhandlungspartnerin erworben. Als Politikerin wird sie sich erst bewähren müssen.

Reaktionen

Als erster aus der Kulturszene hatte bereits am Montagnachmittag Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, die Bestellung von Andrea Mayer als Kunst- und Kulturstaatssekretärin "eine nicht nur unter den derzeitigen Umständen beste Wahl" genannt. Und auch Volksoperndirektor Robert Meyer zollte seiner phonetischen Namensvetterin gegenüber der APA hohen Respekt.

Bereits im Vorhinein hatten Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger ("Sie war immer kulturaffin. Sie kennt sich aus.") und Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder ("hervorragend qualifiziert") große Sympathie für die Bestellung Mayers erkennen lassen.

Auch die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museum, Sabine Haag, bekundetet Andrea Mayer ihren Respekt: "Ich glaube, Frau Mayer verkörpert wie derzeit kaum jemand sonst eine intime Kenntnis der Kunst- und Kulturlandschaft in Österreich."

MuseumsQuartier Direktor Christian Strasser sieht in der Bestellung von Andrea Mayer ein mehr als positives Signal für das Kulturland Österreich. "Sie kennt die Situation der Kulturinstitutionen und der Künstlerinnen und Künstler wie keine andere, wird von allen hoch geschätzt, ist eine hervorragende Verhandlerin und weiß, welche Weichen zu stellen sind."

Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler heißt die neue Staatsekretärin willkommen. "Als jemand, die bereits im kulturpolitischen Feld gearbeitet hat, gilt Andrea Mayer als politisch erfahren, in der Kultur bestens vernetzt und als Managerin mit hoher Durchsetzungsfähigkeit; eine Qualität, die besonders in Krisenzeiten gefragt ist. Meine Hand ist ausgestreckt und ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit,“

Hoffnungsvoll reagiert auch NEOS-Kultursprecher Sepp Schellhorn auf die heutige Vorstellung von Andrea Mayer als neue Staatssekretärin für Kunst und Kultur. Er hofft, dass Mayer mit ihrer politischen und fachlichen Expertise eine gute Arbeit leisten wird: „Ich freue mich, dass die Kunst und Kultur in Österreich mit Andrea Mayer eine engagierte und fachlich versierte Staatssekretärin bekommt. Ich wünsche ihr alles gute für die großen Herausforderungen, die jetzt auf sie warten."

Text: APA, Red.

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