Das Ortsschild in Weikendorf.

ORF/CLAUDIA GSCHWEITL

Weikendorf und der muslimische Hauskäufer

Im Sommer 2019 geriet der kleine Ort Weikendorf landesweit und auch international in die Schlagzeilen. Eine palästinensische Familie wollte dort ein Haus kaufen, doch der Bürgermeister verweigerte seine Zustimmung. Es folgte ein monatelanger Rechtsstreit. Die "Hörbilder" haben nachgefragt, wie die Situation im Ort ein Jahr danach ist.

Im März 2019 kaufte Khalid Abu El Hosna, der Vater der muslimischen Familie, ein Haus in Weikendorf. Der Kaufvertrag war bereits unterschrieben, der Bürgermeister Johann Zimmermann (ÖVP) verhinderte jedoch die Abwicklung. In einer ersten Stellungnahme begründete er die Ablehnung damit,

"dass die unterschiedlichen Kulturkreise der islamischen sowie der westlichen Welt in ihren Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen weit auseinander liegen.“

Khalid Abu El Hosna

ORF/CLAUDIA GSCHWEITL

Solidarität mit Flüchtlingsfamilie

Diese Feststellung sorgte in der Folge für einigen Wirbel. Viele NGOs erklärten sich solidarisch mit der Flüchtlingsfamilie. Mehrere Schriftsteller um Gerhard Ruiss und die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek forderten ein „angemessenes Handeln“ vom Bürgermeister und dem Land. „Wir können nicht glauben, dass in Österreich im Jahr 2019 (schon wieder) ein solches Denken herrscht, dass man meint, sich mit einer derartigen Begründung gegen einen Hauskauf aussprechen zu müssen“, hieß es in einer Aussendung.

Da die Familie aus Palästina keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, brauchte sie die Zustimmung der Gemeinde. Um niederösterreichischen Boden kaufen zu dürfen, muss man entweder länger als zehn Jahre in Österreich leben oder die Gemeinde muss ein „wirtschaftliches, soziales oder kulturelles Interesse“ am Zuzug bekunden. Khalid Abu El Hosna war zu diesem Zeitpunkt erst seit neun Jahren in Österreich.

Petition gegen den Zuzug

Erschüttert schrieb Khalid Abu El Hosna Briefe an den Bundespräsidenten und die damalige Bundeskanzlerin, die allerdings unbeantwortet bleiben. Stattdessen starteten Bürgerinnen und Bürger aus Weikendorf eine Unterschriftenliste gegen den Zuzug der Familie. Mehr als 100 Personen unterzeichneten diese Petition. Der Ortsteil Dörfles, in dem das von der Familie gekaufte Haus steht, hat 265 Einwohner.

Im Gegenzug organisierten die Politaktivisten Mustafa Durmus und Muhammed Yüksek eine Kundgebung zur Unterstüztung der 11-köpfigen Familie. Das Medieninteresse an der Dialogveranstaltung war groß, der Fall machte auch international Schlagzeilen. So schrieb etwa die englischsprachige, indische Tageszeitung "The Hindu" am 29. Juni 2019:

"What is happening in today’s Austria could make Franz Joseph turn in his grave."

Imageschaden für Weikendorf

Viele Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner fühlten sich von den Medien zu Unrecht als Rassisten dargestellt. Islamfeindlichkeit sei hier nicht das wahre Problem, meinten einige Nachbarn. In den sozialen Medien wurde die Familie heftig angegriffen. Khalid Abu El Hosna sei arbeitslos gewesen und habe Schulden. Man habe Angst, die Familie würde auf Kosten der Gemeinde leben.

Der Bürgermeister Johann Zimmermann verweigerte wochenlang jegliche Auskunft zum Fall, was ihm allerdings noch mehr Berichterstattung bescherte. Der Vizebürgermeister Robert Jobst (ÖVP) beklagte im Interview, das Problem werde von den Medien hochgespielt. Man hätte niemanden wegen religiösen Gründen ausgegrenzt. Die Wortwahl der Stellungnahme sei vielleicht nicht ganz glücklich gewesen, aber:

"Wir brauchen nicht unbedingt von aller Welt irgendwelche Kulturen da, da sind wir zu klein."

Khalid Abu El Hosna zeigte sich schockiert: "Für uns ist das sehr schwer. Die Leute brauchen uns nicht, ganz einfach." Er hätte lange nach einem Haus gesucht, das groß genug ist für neun Familienmitglieder und dennoch leistbar und wollte deshalb weiter darum kämpfen. Die "Hörbilder" haben nachgefragt, wie die Situation im Ort heute ist und sind dabei auf Überraschendes gestoßen.

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